Scratch – Programmieren wird zum Kinderspiel

Kommentieren 10. November 2008

Ein Produkt, welches aus dem MIT kommt, bringt eigentlich bereits Qualitätsgarantie mit. Wenn es dann noch aus dem MIT-Media-Lab kommt, ist jedem klar, dass womöglich auch eine gehörige Portion Innovation drinsteckt.

Mit Scratch liegt nun seit knapp über einem Jahr ein Programm vor, welches mehr als einen Blick wert ist. Denn auf spielerische Weise lassen sich damit Fertigkeiten und Kompetenzen erwerben, die sehr gut ins Portfolio eines 21st Century Learner passen. Scratch ist eine eigene Programmiersprache, die es Kindern erlaubt, eigene kleine Programme zu schreiben. Dabei wurde der Umgang mit dem Quellcode allerdings so kindgerecht und visuell aufbereitet, dass nicht das Lernen kryptischer Codeschnipsel im Vordergrund steht, sondern der Anwender vielmehr mit den Grundprinzipien des Programmierens und der Idee des Entwickelns vertraut wird:

Scratch: overview from andresmh on Vimeo.

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder mit Scratch herumgespielt und muss sagen, dass es einfacher kaum noch geht. In Sekunden sind die ersten Schritte erlernt und nach wenigen Minuten kann man schon kleine Projekte erstellen. Einen kleinen Einblick liefert dieses Tutorial-Video:

Durch die Arbeit mit Scratch nähert man sich auf sehr ansprechende Art und vor allem wenig offensichtliche Weise diversen Lernzielen an, welche weniger sach-, sondern kompetenzorientiert sind:

  • kreatives Denken
  • deutliches Kommunizieren
  • systematisches Analysieren
  • effektives Kollaborieren
  • iteratives Gestalten
  • kontinuierliches Lernen.

Diese Lernprozesse sind dabei vielfältig und spiralförmig miteinander verknüpft:

zitiert aus: http://scratch.mit.edu/files/Learning-with-Scratch.pdf

Das Programm ist im Gegensatz zum eigentlichen Fokus in diesem Blog nicht online lauffähig, sondern Bedarf eines Downloads. Es ist aber sowohl für den Mac als auch für Windows verfügbar und zudem in diverse Sprachen übersetzt und auch vollständig in Deutsch verfügbar. Dies gilt auch für die Scratch-Homepage, die – und damit gehört das Programm auf jeden Fall in diesem Blog erwähnt – eine vollständige Community-Funktion mitbringt. Nicht nur, dass es auf einfachste Weise  möglich ist, aus dem Programm heraus sein Arbeitsergebnis einzustellen, man kann sich auch die Ergebnisse der anderen Teilnehmer herunterladen und übernehmen oder verändern. Zusätzlich stehen Kommunikations- und Austauschfunktionen ähnlichen einen Social Network bereit. Damit ist ist der Web 2.0-Stempel gerechtfertigt.

Ich denke, dass sich Scratch besonders für den Informatik- oder Mathematikunterricht eignet, da auch in anderen Computersprachen auftauchende Elemente in Scratch genutzt werden können und auf ihre Funktion überprüft werden können. Durch den schnellen und spielerischen Einstieg sowie die Anreize durch die Community- und Feedbackmöglichkeiten bietet Scratch diverse Anreize zum produktorientierten und fortlaufenden Lernen. Natürlich sehen die Ergebnisse nicht so hochwertig aus, wie von professionellen Designern entwickelt, aber die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche hier erste eigene Animationen und kleine Programme schreiben bzw. Zusammenklicken und von und mit anderen zusammen lernen, macht Scratch wertvoller als manches Hochglanzprodukt, in dem Lernen häppchenweise zum konsumieren vorgesetzt wird.

Scratch ist gewissermaßen das Lego für erste Versuche in einer Computersprache und genauso intuitiv und flexibel. Natürlich muss man sich zuerst reinfinden, was aber sehr schnell geht. Einfach mal ausprobieren…

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Share