Babbeln kann man weltweit – also auch online

Kommentieren 05. November 2008

Meist sind Newsletter ja eher lästig. Über den letzten habe ich mich allerdings doch gefreut, da es mich an eine kürzlich gefundene Plattform erinnert hat, bei der ich mich wundere, sie noch nicht im Blog präsentiert zu haben.

Scoyo habe ich heute morgen vorgestellt und in eine ähnliche Richtung geht es nun auch wieder. Allerdings mit einem klaren Fokus auf Fremdsprachenlernen. Das Ganze nennt sich babbel.com und bietet ebenfalls online-Lernkurse, in denen man situativ seine Fremdsprachenkenntnissen in diversen Sprachen schulen kann. Dabei wird man durch meist sehr attraktiv gestaltete und auch animierte Lernszenarien geführt, die im Gegensatz zu scoyo weniger kindlich sondern eher nüchterner gehalten sind.

Was mir gefällt ist der soziale Aspekt in babbel.com. Denn es ist möglich, sich ähnlich einem social network mit anderen Lernen zu verbinden, um gemeinsam zu lernen – bis hin zu online-Lerntandems. Besonders im Fremdsprachenbereich halte ich dies für eine wichtige Ergänzung, da dies das starre, individuelle lernen am und mit dem Computer durchbricht.

Eine andere gelungene Kleinigkeit ist die Tatsache, dass man die Tutorials in babbel nicht sklavisch durchlaufen muss, sondern neben dem automatischen Durchlauf auch die Möglichkeit besteht, manuell, die einzelnen Etappen eines Kurses anzusteuern. Dadurch wird der Forderung nach dem eigenen Lerntempo sowie der Berücksichtigung des eigenverantwortlichen Lernens Rücksicht getragen, da man weniger interessantes oder zu einfaches schnell überspringen kann.

Und nun die Gretchenfrage: schultauglich? Ich sehe dies ähnlich wie bei scoyo – und deshalb hänge ich babbel auch gleich als Folgepost dran – zwigespalten, da die Tutorials auch bei babbel sehr fix sind und dem Lehrer wenig Spielraum für eigene didaktische oder pädagogische Implikationen oder Schwerpunkte  lassen. Die Schüler hätten nur die Möglichkeit, die Übungen zu durchlaufen, was aber in meinen Augen zu wenig Austausch erlaubt. Ich halte die Plattform allerdings für ältere, jugendliche Lernanfänger für geeignet, um zum Beispiel eine in der Oberstufe neu begonnene Fremdsprache zu Hause ein wenig zu üben.

Für besonders interessant für den Einsatz mit Schülern halte ich aber die angesprochene Lernergemeinschaft, die babbgel mit inzwischen über 100.000 Nutzern mitbringt. Abiturienten können hier – sicher gute Kontakte zu Native Speakern knüpfen und so ihre Sprachkenntnisse direkt anwenden. Ich halte dies für eine gute Alternative durch die oft mühsam durch schulische Austauschprogramme angeleierten Brief-/Mailfreundschaften, da man hier auf Gleichgesinnte treffen kann, die ebenfalls ein Interesse am Sprachlernen haben.

Ich könnte mir aber auch ebenso vorstellen, dass der Lehrer sich vorbereitend ein kleines “Freunde”-Netz in babbel aufbaut, welches er mit seinen Schülern im Unterricht in Kontakt bringt. Wie oft höre ich die Klage, wie schwer es sei, Schüler mit Muttersprachlern in Kontakt zu bringen, ohne immer Sprach-CDs vorspielen zu müssen. In der großen babbel-Community können die Schüler mit evtl. Unterstützung des Lehrers ihre Sprachkenntnisse anwenden. Dies ermöglicht auch zugleich die Thematisierung von Verhaltensweisen in offenen social networks mit den Schülern. Beim Einsatz solcher Plattformen würde ich eine enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus anraten.

Schade ist, dass babbel nur assynchrone Kommunikation liefert. Ein Chat oder gar eine Videokonferenzfunktion wäre wünschenswert – besonders im Sprachbereich. Allerdings kann man über die Suche filtern, wer gerade online ist und so – nach eigener Erfahrung – auch über das interne Mitteilungssystem schnell Kontakt aufnehmen, welchen man ja problemlos auf andere Plattformen wie skype “outsourcen” kann.

Ähnlich wie scoyo halte ich babbel somit weniger für ein konkretes Unterrichtstool für den alltäglichen Einsatz, sondern für eine Ergänzung, die eher für die spezifische Förderung von Schülern eignet. Man sollte sich aber bewusst sein, dass babbel sich nicht primär an schulische Lerner richtet, sondern bewusst außerschulische Lerninteressierte anspricht. Babbel ist dank finanzstarker Inverstoren (darunter die Gründerfirma von web.de) kostenfrei verfügbar.

Dieses Post wurd erstellt von René Scheppler.

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