Englisch-Unterricht mit Fun-Faktor

Kommentieren 03. November 2008

Dialoge schreiben – wer kennt das nicht? Im Deutschunterricht und in jeder Fremdsprache werden Schüler mit dieser Form der Schreibübung konfrontiert. Spätestens, wenn dann aber alle ihre Dialoge auch noch zur Präsentation bringen wollen, stößt der Web 1.0-Unterricht mal wieder an seine Grenzen.

Um eines vorweg zu nehmen: Ich finde solche Übungen durchaus sinnvoll, da sie bei richtiger Themenwahl durchaus motivierend und nicht frontal daherkommen. Aber wie wäre es, mit einfachen Mitteln die Übung ins Web 2.0 zu transferieren und als Ergebnis noch ein amüsantes Video zu erhalten? Wie einfach dies funktionieren kann, zeigt Nik Peachey in seinem Blog auf den ich über Jürgen Wagner aufmerksam geworden bin (als Nicht-Fremdsprachler bin ich auf solche guten Tipps angewiesen). Xtranormal heißt das schicke Tool, welches Nik Peachey auch gut vorstellt:

Das Tool, welches derzeit noch in der beta-Phase steckt, bringt einige sehr schultaugliche Funktionen mit, die mit Ende der Beta hoffentlich nicht allesamt wegfallen werden:

  1. kostenlos: Tatsächlich ist die Nutzung komplett frei und die selbsterstellten Inhalte stehen einem zur Verfügung.
  2. LogIn-frei: Man kann sofort loslegen – ohne umständliche Registrierung.
  3. pausenfähig: Es ist möglich, seinen Arbeitsstand zwischenzuspeichern, um später die Arbeit fortzusetzen. Wie oft geschieht es, dass Schüler am Ende der üblichen 45 Minuten mitten in einer Kreativphase stecken und ich als Lehrer – auch mit Blick auf den an die nächste Gruppe zu übergebenen Computerraum – gezwungen bin, in diesen Prozess einzugreifen. Da denken die Betreiber offensichtlich mit – wenn vielleicht auch nicht bewusst mit Blick auf die Schule.

Aus didaktischer Sicht liefert das Tool ebenfalls einige sehr brauchbare Features:

  1. eigenes Tempo und Umfang: Schüler können ihre Dialoge in eigenem Lerntempo erstellen und können sich Kreativpausen gönnen, indem sie an der Darstellung bzw. den Figuren feilen.
  2. auditive Rückmeldung: Die Schüler bekommen – zwar durch eine teils verbesserungswürdige Computerstimme – die eigenen Texte vorgelesen.
  3. Feedbackkultur: Es ist möglich, die fertigen Videos zu bewerten und auch Kommentare zu hinterlassen. Sehr schön ist, dass dies nichts endgültiges hat, sondern man jederzeit in der Lage ist, das Video zu “remixen” und die Kritik aufzunehmen und das Video zu verbessern.

Natürlich lassen sich die üblichen Szenarien ersinnen, die man auch auf dem Papier bisher realisiert hat und nun um den Web 2.0-Aspekt erweitert. Als ich mir das Tool angesehen habe, ist mir aber noch eine weitere Idee gekommen, die ich gerne – wie gesagt als Nicht-Fremdsprachler – den Fachkollegen zur Diskussion oder Nachahmung vorstellen möchte:

Wie wäre es, einen virtuellen, audio-visuellen Lückentext erstellen zu lassen? Oder ein solches Quiz? Die Aufgabe an die Schüler wäre dann nicht einen kompletten Dialog zu erstellen, sondern bewusst Lücken zu lassen, die dann durchs Publikum sinnvoll zu ergänzen wären. Zum Beispiel könnte man Vokabeln abfragen: Die Schüler lassen die eine Figur die englische Vokabel sprechen und lassen dann eine bewusste Zeitlücke bevor die nächste Vokabel gefragt wird. Etwas schade ist die Einsprachigkeit des Tools, was sich zeigt, wenn man deutschen Text sprechen lassen möchte (nicht empfehlenswert). Aber rein englische Quiz könnten sehr gut realisiert werden.

Ebenfalls gefallen könnte mir die Idee, aktuelle Nachrichten aufzunehmen und die Schüler eine Interviewrunde oder Nachrichtensendung dazu erstellen zu lassen. Die verschiedenen Hintergründe, die zur Verfügung stehen, könnten sich im Einstiegsunterricht auch eignen, die Schüler Erläuterungsvideos erstellen zu lassen, in denen sie die Figur die verschiedenen Gegenstände (z.B. in einem Büro) oder Szenarien benennen/beschreiben lassen.

Ich halte das Tool aufgrund der genannten Faktoren für durchaus gut geeignet, um damit im Unterricht zu arbeiten. Meine Erfahrungen lassen mich die Empfehlung nach schnellen Rechnern und Internetverbindungen aussprechen, da die Phase der Videoerstellung bei mir dann doch schon ein wenig Zeit in Anspruch nahm. Wenn 30 Schüler zeitgleich aktiv werden, wage ich die Belastbarkeit des Tools und der eigenen Hardware noch nicht abzuschätzen – ich bitte um Erfahrungsberichte, da ich das Tool aufgrund dessen reiner Englischsprachigkeit wohl selber nicht mit meinen Schülern in meinen Fächern ausprobieren werden kann. Aber die Feststellung, dass ich mal wieder begeistert herumgespielt habe, lässt Gutes hinsichtlich der Schülerreaktion erhoffen. Und spätestens wenn das bestgekürte Video am Ende per Beamer über die Leinwand flimmert, haben alle (auch der Lehrer) ihren Spaß ;-).

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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