Wie erkläre ich Schülern, Referendaren & Lehrern Moodle?

Kommentieren 29. October 2008

Vor dieser Frage standen meine Referendarskollegin Katrin Beez und ich schon seit einigen Wochen. Bereits zum EduCamp 2008 Berlin bin ich mit der leichten Hoffnung angereist, vielleicht ein paar Inspirationen zu bekommen. Denn zu gestern galt es eine Seminarsitzung im Rahmen unserer Ausbildung zu füllen, um den jungen Kollegen und (nicht nur aus Benotungsaspekten) am besten auch unserem erfahreneren Modulleiter Moodle näher zu bringen.

Nach einigen vielversprechenden Ansätzen und ersten Entwürfen, haben wir immer wieder abgebrochen und die Referatsmodelle verworfen. Denn unser Anspruch war nicht gering, wenn wir folgende Aspekte berücksichtigen wollten:

  • Moodle in seinen Grundzügen vorstellen.
  • Den Mehrwert von Moodle für Lehrer und Schüler verdeutlichen.
  • Nicht nur vortragen, sondern dem Publikum auch den “first contact” in und mit Moodle ermöglichen.
  • Die Frustrationsschwelle bzw. die Abschreckungsgefahr zu minimieren. Es sollte keiner aus den praktischen Übungen herausgehen mit dem Gefühl, gescheitert zu sein.

Nicht erst – aber besonders nach dem gestrigen Seminarverlauf – bin ich von unserer gefundenen und erstellten Lösung überzeugt und möchte sie nicht nur vorstellen sondern im Rahmen der Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share Alike 3.0 Unported Licence zur Verfügung stellen und dieses Post damit zu einem sehr praxisorientierten erklären.

Ausgangspunkt für den knapp einstündigen Vortrag inkl. Praxiseinheiten war die bereits im Blog veröffentlichte Präsentation “What is Moodle explained with Lego“. Ich habe diese ins Deutsche übertragen und etwas auf unsere Bedürfnisse angepasst – mit folgendem Resultat:

Zu den einzelnen Bausteinen Kommunizieren, Speichern, Kollaborieren und Evaluieren haben wir in einem eigenen Moodle-Kurs exemplarisch die folgenden Aktivitäten vorgestellt und zum selber Ausprobieren bereitgestellt: Chat, Datenbank, Glossar und Feedback (ein Erweiterung für Moodle).

Grundlage und verbindendes Element für die 4 exemplarischen Moodle-Bausteine war schließlich “Der Sprachabschneider“, in dem von einem Jungen Paul berichtet wird:

An diesem Morgen entdeckt er vor der Schule einen eigenartigen Mann, der von einem Holzkasten aus mit krächzender Stimme seinen Spruch aufsagt: «Übernehme gegen Lohn / Aufsicht über Präposition. / Suche dringend Prädikat, / biete frischen Wortsalat …»
Wenige Tage später hat Paul sich mit dem Mann, der gegen Bezahlung Sprache sammelt, auf ein «tolles Geschäft» eingelassen. Er überlässt dem komischen Kauz all seine Präpositionen und die bestimmte Artikel; dafür macht der Vielolog, der Sprachabschneider, eine Woche seine Hausaufgaben.

Und plötzlich sagt Paul nur noch Sätze wie: «Ich gehe Sportplatz … Main fließt Rhein … Regen stürzte Straßenbahn wie haushohe Wellen ein Schiff.» Als er dann für eine weitere Woche Hausaufgaben auch noch die Verben (bis auf dien Infinitiv) verkauft, findet das bald keiner mehr lustig: weder Lehrer noch seine Eltern.

Es regnet in der Schule Vieren und Fünfen. Was soll man auch mit einem Schüler anfängen, der nur noch Sachen sagt wie «Gehen du auch Zirkus?» oder «Herrlich sein Dressuren»?

Da beschließt Bruno, Pauls Freund, dass es an der Zeit ist, dem Vielologen das Handwerk zu legen und aus Paul wieder einen normal sprechenden Jungen zu machen.

Die Präsentation wurde an den entsprechenden Stellen unterbrochen und die Referendarskollegen in die Situation von Schülern im Unterricht und damit wiederum von Paul bzw. dessen Freunden versetzt. Sie sollten zuerst über den Chat austauschen, welche Wortarten es gibt und wer sich bereit erklärt, über eine bestimmte Wortart weitere Informationen (quasi als Experte) einzuholen (kommunizieren). Im zweiten Schritt galt es, in einer bereitstehenden Datenbank die jeweils gefundenen Webseiten oder Bücher zu sammeln und den anderen kommentiert zur Verfügung zu stellen (speichern). Danach erstellte auf der Grundlage dieser Informationen jeder Experte zu seiner Wortart einen Glossareintrag, welcher dazu dienen sollte, aufzuzeigen, welche Bedeutung und Funktion die eigene Wortart hat und warum auf diese nun gegenüber dem Vielologen auf keinen fall zu verzichten sei (kollaborieren). Im letzten Schritt wurde schließlich, nachdem sich jeder die einzelnen Plädoyers angesehen hatte – abgestimmt, welche Wortart nun abzugeben sei (evaluieren).

Danach lief die Präsentation zu ende durch (natürlich moderiert), um dann über eine weitere Umfrage herauszufinden, wie sich die Einstellung zu Moodle nach dem Referat verhält oder geändert hat. Persönliche Feedbacks an uns Referenten wurden über ein Forum abgegeben. Dadurch ist es – so auch die einhellige Rückmeldung – gelungen, sowohl theoretisch in Moodle mit nahezu allen seinen Aspekten und vielen Funktionen einzuführen und zugleich einen “first contact” anzuleiten, welcher jedem Teilnehmer ermöglichte, auch praktisch das Referierte nachzuvollziehen.

Den Moodle-Kurs stelle ich hier aus urheberrechtlichen Gründen von Illustrationen befreit zum Download bereit (Moole-Version 1.9.2). Wir hoffen, mit dieser sehr konkreten Publikation vor allem unseren Referendarskollegen eine Anregung sowohl für die Ausbildung aber auch den konkreten Unterricht liefern zu können. Denn auch für Schüler gilt es, die ersten Schritte in und mit Moodle ansprechend zu gestalten. Zwar können wir im Moment noch von einer Grundeuphorie beim Einsatz des Internets ausgehen, doch wenig attraktiv sind “klicke-hier-klicke-da”-Einführungen. Spielerisch und zugleich thematisch eingebettet die Möglichkeiten und Funktionen von Moodle zu entdecken und auf diesem Weg sowohl technisch versierteren als auch eher technikscheuen Kindern Anreize zu bieten, erfordert oft viel Mühe und Kreativität. Beides wollen wir hiermit etwas anregen und unterstützen.

Über Rückmeldungen, Verbessungsvorschläge oder gar praktische Erfahrungen mit dem bereitgestellten Material würden wir uns sehr freuen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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