ePortfolios – mehr als ein lebloses Materialbündel

Kommentieren 24. October 2008

Portfolios sind für mich ein hochspannendes Feld. Dies resultiert wohl zum einen daraus, dass ich es in meiner Schulzeit selber nie führen musste/sollte, zum anderen aber sicher vielmehr daraus, dass ich bisher nur auf Leute gestoßen bin, die davon überzeugt waren, wenn – und diese Einschränkung halte ich für bedeutend – sie es selber versucht bzw. in ihren Lerngruppen etabliert hatten. Diese Einschränkung führt wohl auf den Aspekt, dass hinter Portfolios immer auch eine gewisse Einstellungen stecken muss. Wie diese nun konkret aussieht, haben wir bereits in einem vorherigen Post kontrovers andiskutiert.

Scherzhaft behaupte ich immer, dass derzeitige Grundschüler wohl am Ende ihrer Schulkarriere mit einem so dicken Portfolio die Schule verlassen, dass sie es kaum mehr tragen können – wenn man mal die Befürworter und ihre Visionen beim Wort nimmt. Dass dieses letzte Argument, welches mich zurückgehalten hat, da ich schlicht befürchte – nicht nur als Schüler sondern auch als Lehrer – in einer Papierflut und unübersichtlichen Koordinationstätigkeit unter zu gehen, nicht mehr trägt, ist mir sehr schnell bewusst geworden, als ich mir erste ePortfolios angesehen habe.

Und… seit dieser Woche, führen meine Schüler solche innerhalb unserer Moodle-Plattform (zum genauen Tool alsbald in einem eigenen Post mehr). Nun will ich nicht dazu anheben, ePortfolios en detail zu erläutern. Das würde zu lange dauern und können andere auch viel besser – z.B. die JISC in ihrer neuesten Publikation “Effective Practice with e-Portfolios“:

Bereits die Struktur wirkt auf mich recht überzeugend. Denn es wird versucht, in den einzelnen Kapiteln das Modell ePortfolio aus den verschiedenen, beteiligten/betroffenen Blickwinkeln zu beleuchten:

  • Investigating e-portfolios: The learner’s perspective
  • Investigating e-portfolios: The practitioner’s perspective
  • Investigating e-portfolios: An institutional perspective
  • Investigating e-portfolios: A lifelong learning perspective
  • Investigating e-portfolios: The audience’s perspective

Ich finde, dadurch wird bereits ein weiterer – für mich entscheidender inhaltlicher, neben dem eher pragmatischen oben – Vorteil des e- gegenüber dem “Normal”-Portfolio” deutlich: Wir haben viel mehr Beteiligte. Das Papierportfolio führt der einzelne Schüler, es wird regelmäßig vom Lehrer gelesen, vielleicht noch ab und an von den Eltern, dann hört es aber auch schon auf. Ganz anders beim ePortfolio: Hier kann der Rezipientenkreis beliebig geschlossen oder offen gehalten werden. Von der privaten Notiz zum eigenen Lernstand bis hin zum weltweit einsehbaren Aufsatz aus der letzten Projektarbeit.

Zurück zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags: der Publikation der JISC, welche nämlich einen weiteren schönen Beitrag liefert. In jedem Kapitel werden konkrete “good practice”-Beispiele vorgestellt. Nach der theoretischen Einführung in die verschiedenen Aspekte folgt stehts ein Beitrag, der aufzeigt, wie sich dies praktisch verhält. Die Beispiele sind zwar aus dem Hochschul- bzw. College-Bereich, lassen sich aber sicher auch als Anregung für schulische Situationen fruchtbar umdeuten.

Ich möchte im Folgenden noch einige für mich recht treffende Zitate anbringen, die evtl. auch gleich einen Eindruck von der Qualität der Publikation vermitteln:

Various definitions exist of the term e-portfolio. This publication draws on an emerging consensus that the term encompasses both product and process:

An e-portfolio is the product, created by the learner, a

collection of digital artefacts articulating experiences,

achievements and learning.

(…)

The primary aim of an e-portfolio may be to collect evidence for summative assessment, to demonstrate achievement, record progress and set targets – as in records of achievement and individual learning plans (ILPs) – or to nurture a continuing process of personal development and reflective learning, more commonly experienced in higher and continuing education contexts, but now also occurring in further education and schools. These different approaches are not mutually exclusive, however, and may in fact represent different starting points on a journey towards embedding e-portfolio use fully into the curriculum.

(…)

‘An e-portfolio is a purposeful aggregation of digital items – ideas, evidence, reflections, feedback etc, which “presents” a selected audience with evidence of a person’s learning and/or ability.’ (zitiert von Sutherland, S. and Powell, A. (2007), Cetis SIG mailing list discussions [www.jiscmail.ac.uk/archives/cetis-portfolio.html] 9 July 2007)

(…)

The use of e-portfolio systems and tools to support application and transition is emergent rather than embedded practice, and dependent on learners’ access to personal online spaces which can be updated, like learning.

Feedback in an e-portfolio can be used to collaboratively develop a piece of work with other people. This makes the work a living and breathing entity. You can see it growing and know how it grew and why.’ (zitiert von Emma Purnell, Institute for Learning Enhancement, University of Wolverhampton)

(…)

The case studies in this guide explore in more depth the circumstances in which e-portfolio development can:

• improve understanding of the self and the curriculum

• engage and motivate learners, both individually and as part of a community of practice

• personalise learning

• support models of learning appropriate to a digital age

• promote reflective practice

Ebenso gefällt mir folgende aus der Publikation zitierte grafik, welche sehr gut das Grundprinzip des ePortfolios verdeutlicht:

Ich halte die Lektüre für anregend. Vielleicht nicht als Ersteinstieg in die Beschäftigung mit ePortfolios – aber als spätere Fungrube für die eine oder andere Idee/Anregung.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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