Mindmapping – die Zweite

Kommentieren 22. October 2008

Mitte der Woche und noch kein konkretes Web 2.0-Tool im Projektblog der Initiative D21? Und nach der theoretischen Kost der letzten Tage wird es Zeit…

Ich habe bereits im Blog das im Unterricht methodisch beliebte Mindmapping aufgegriffen und auch einige Tools vorgestellt. Doch – und das ist an einer deutschen Schule und in der Arbeit mit kleineren Kindern nicht abschließend befriedigend – allen gemein ist, dass sie auf Englisch sind (also Menuführung, Buttons etc.). Dies hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe danach gesucht, ein deutschsprachiges Pendant zu finden, welches zum einen Web 2.0-Funktionen mitbringt und zum anderen, den anderen, vorgestellten Werkzeugen (Mindmeister, bubbl.us und Comapping) in nicht allzu viel nachsteht.

Zudem, da ich dies beim letzten Post vergessen habe, möchte ich hier meine Kriterien offenlegen, die in meinen Augen ein solches Tool qualifizieren, einerseits für den Unterricht für tauglich befunden zu werden und andererseits auch hier im Blog Erwähnung zu finden. Und an dieser Stelle sei – aufgrund einiger Nachfragen – klargestellt: Nein, ich oder wir (die Initiative D21) werden in keiner Weise von den jeweiligen Anbietern unterstützt oder bezahlt. Unsere Partner sind in der Seitenleiste des Blog benannt. Zudem finden wir die Tools selber oder durch Hinweise unserer Leser:

  • Web 2.0-Funktionalität: Hierunter verstehe ich die Möglichkeiten
    • Inhalte durch den User zu erstellen.
    • am selbst erstellten Produkt gemeinschaftlich also kollaborativ zu arbeiten (ob synchron oder asynchron ist dabei nicht voranging – ersteres ist aber wünschenswert).
    • die Ergebnisse sinnvoll zu exportieren (also keine Alleinverwertung der (Schüler-)Produkte durch den Anbieter).
    • aus anderen Anwendungen zu importieren (dies ist wünschenswert aber in meinen Augen kein “Totschlagsargument” gegen ein Tool).
  • Kostenfreiheit (besonders für Schüler)
  • Werbefreiheit

Daran ist zu erkennen, das Deutschsprachigkeit in meinen Augen keine zwingende Bedingung ist, da die meisten Tools dann doch so intuitiv sind, dass man erwarten kann, dass die Schüler die wenigen englischen  Brocken handhaben können. Aber dennoch…

Mindomo ist ein solches! Wodurch mich Mindomo überzeugt hat, möchte ich an zwei Screenshots verdeutlichen (zum Vergrößern anklicken):

die Menuleiste:

aus dem “Schreibtisch” nach dem LogIn:

Man sieht sofort: Sämtliche obigen Kriterien zur Web 2.0-Fähigkeit sind erfüllt. Und zudem noch ziemlich schick.

Importfunktion?: Ja, und auch noch aus der von mir – da plattformunabhängig und aufgrund seiner Schlankheit sehr schnellen – genutzten Software FreeMind – aber auch aus dem kommerziellen Mindmanager. Exportieren kann man ebenso gut in verschiedene Formate:

Die Hacken?: liegen bei den anderen beiden Bedingungen, welche ich oben formuliert habe.

Kostenfreiheit: Es gibt bei Mindomo eine kostenlose Grundversion, die in meinen Augen mehr als ausreichend ist. Sie bietet die genannten Importfunktionen, stellt unbegrenzt viele Mindmaps zur Verfügung und ist auch ansonsten in den wesentlichen Grundfunktionen nicht eingeschränkt. Man kann mit dieser Grundversion sehr gut – auch schulisch – arbeiten. Das einzige Manko ist, dass man zwar durchaus in diverse Formate Exportieren kann, der Export in Freemind erfordert aber die 6 Euro teure Premium-Version (zu weiteren Unterschieden der Versionen vergleiche diese Übersicht). Allerdings möchte ich dies nur als halbes Manko stehen lassen, da es ja die Schüler nicht direkt betrifft. Diese könne  ja ihre Mindmaps kollaborativ erstellen, den Lehrer dann als Kollaborateur einladen und dieser exportiert – bei Bedarf – ins offline-fähige Programm zur Weiterbearbeitung. In meinen Augen also durchaus legitim und seitens des Anbieters verständlich. 6 Euro ist dabei eine für den Lehrer – nicht für den Schüler – für mich auch durchaus verschmerzbare Größenordnung, wenn man das Tool öfters einsetzen möchte.

Aber hier brilliert Mindomo durch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal gegenüber seinen genannten Konkurrenten: Es bietet eine eigene auf Adobe Air basierende offline-Software an, die die Zusammenarbeit mit dem online-Tool quasi geräuschlos werden lässt. Echt klasse, im schulischen Gebrauch leider nur mit einmaligem Installationsaufwand auf den Schulrechnern verbunden

Schwieriger – aber natürlich nicht unlösbar (sonst würde ich es nicht vorstellen) – sieht es mit der Werbefreiheit aus: Diese ist in der Grundversion nicht gegeben. In der kostenlosen Variante werden im rechten Bildschirmrand über die volle Bildschirmhöhe einspaltige Google Ad-Sense-Werbeblöcke eingeblendet. Unschön für den Einsatz im Unterricht. Allerdings handelt es sich dabei im technisch eher “schwach” und damit für uns gut eingebundene Werbung, da sie nämlich durch einfache Werbeblocker für den Browser ausgeschaltet werden kann. Dies erfordert lediglich -. wenn es nicht eh schon Standard auf den meisten Schulrechnern ist – die Installation eines Add-Ons für Firefox und schon wird aus dem Werbeblock ein weißer Balken am rechten Bildschirmrand. Von mir getestet und für gut in seiner Funktionalität befunden ist AdBlock Plus.

Fazit. Die Deutschsprachigkeit, die schöne Übersicht, Sharing-Funktion sowie Import-/Exportfunktion und besonders die tolle Menuleiste machen Mindomo für zum derzeitigen Favoriten, was die mir bekannten online Mindmapping-Tools angeht. Ich kann es für den schulischen Einsatz unter Nutzung des beschriebenen Werbeausblendetricks nur empfehlen und viel Spaß beim Ausprobieren wünschen.

Ein letzter Hinweis an den Anbieter, falls er dies liest, und zukünftige Nutzer: Die Deutschsprachigkeit ist sehr gut durchgehalten bis auf im Anmeldeprozess, wo ich auf einmal englische Texte im Registrierungsprozess und der Bestätigungsmail erhalte. Sicher leicht zu beheben…

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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