Moodle: Flexibilität meets Kreativität

Kommentieren 20. October 2008

Der eine oder andere wird es mitbekommen haben: Ich stecke gerade mitten in zwei großen Moodle-Projekten. Zum Einen geht es um “virtuelles Stationenlernen” und zum Anderen um ein “virtuelles Lehrerzimmer”. Zwei unterschiedliche Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die zeigen sollen, wie mächtig und vor allem flexibel Moodle ist. Genau dies zeigt auch dieses schöne Video (via human.edublogs.org):

Zudem gibt es eine short version. Und da einiges im Video nicht ganz so gut zu lesen ist, sei auf die dazugehörige Slideshow verwiesen:

Moodle ist damit die Plattform – in meinen Augen – die am meisten Flexibilität gewährt und damit der Kreativität nahezu keine Grenzen setzt. Vom einfachen Layout bis hin zu Kernfunktionen des Systems hat man Dank der OpenSource-Idee alles in der Hand und kann es an seine eigenen Bedürfnisse anpassen.

Letzteres habe ich just am Wochenende wieder festgestellt, als es darum ging, die Anmeldung in Moodle zu verbessern. Standardmäßig gibt es zwei ´”normale” Wege (neben diversen zusätzlichen Implementationen wie externe Datenbanken oder Verknüpfung mit paypal):

  1. Der User registriert sich selber: Er kann eine Anmeldeseite aufrufen, gibt einige Grunddaten wie Nutzername und Kennwort ein, bekommt eine E-Mail mit Besätigungslink und ist damit im System angemeldet.
  2. Manuelle Registrierung: Der Administrator legt die Nutzer an, schaltet die Selbstregistrierung ab und hat damit volle Kontrolle über die anzumeldenen Teilnehmer.

Bei einer Anmeldezahl von mehreren hundert Nutzern in Lehrerkollegien und bei mehreren Schulklassen fällt das zweite verfahren aus Zeit- und Handhabungsgründen schlicht weg. Entscheidet man sich aber für die erste Variante kann jeder, der die URL des Moodle kennt, den Selbstregistrierungsprozess durchlaufen und somit Zugriff auf die Plattform bekommen. Dagegen kann man einzelne Räume kennwortsichern, was sehr häufig gemacht wird, was aber zugleich bedeutet, dass ich doch wieder den Aufwand habe, diese Kennwörter zu verteilen und zu schauen, dass jeder das richtige erhält.

Mein Wunsch war nun, dass sich die neuen Nutzer vollständig alleine anmelden und ihre Daten einpflegen, ich aber als letzte Sicherheit mit einem Klick den Zugang freischalte oder ablehne. Quasi wie das Kommentarsystem vieler Blogs, bei denen die eingegangenen Kommentare gesammelt werden und erst nach Bestätigung durch den Administrator online gehen. Nachdem selbst die sonst sehr zuverlässige Anfrage in meiner Twitter-Community kein rechten Erfolg gebracht hat, bin ich auf folgenden, funktionierenden Hinweis gestoßen:

http://docs.moodle.org/en/Administration_hacks

Administration hacks – MoodleDocs via kwout

Einfach, simpel, offen, communitybasiert und schnell… Ich kenne derzeit keine andere lernplattform, die sich so gut für den Einsatz im Schulbereich eignet und sich so gut den Bedürfnissen des Einzelnen anpassen kann.

Ich bin sehr froh, für meine Examens- und Referendariatsprojekte auf diese Plattform gesetzt zu haben, da ich mit jeder anderen wahrscheinlich schon längst aufgegeben hätte, wenn ich nur auf die jeweiligen Bordmittel angewiesen wäre. Das mag in Feature-Listen oder Werbetrailern sehr gut und umfassend aussehen, aber jeder, der sich in Schule bewegt, weiß, dass man sehr sehr schnell an die Grenzen des Schemas F stösst und eben nicht jede Schule, jede Klasse, jeder Kurs bis hin zu jeder Schüler dasselbe braucht. Moodle hilft somit nicht nur dem Lehrer und dem Schüler, sondern fördert auf beiden Seiten noch die Kreativität, da man weiß, dass eigentl. alles möglich ist und das Denken nicht innerhalb von durch die Plattformgegebenheiten gesteckter Grenzen verbleiben muss.

Ich kann jedem Referendar oder Studenetn, welcher pädagogische oder didaktische untersuchungen bzw. Forschungen auf der Grundlage von lernplattformen betreiben will, nur raten, Moodle zu nehmen, um nicht Gefahr zu laufen, mitten im Projekt zu merken, dass man das, was man sich gerade überlegt hat aufgrund der Abgeschlossenheit des Systems nicht realisieren kann. Und die Community auf moodle.org hilft so schnell und zuverlässig, dass es mir bisher jederzeit möglich war, mich aus jeder scheinbaren Sackgasse heraus zu manövrieren.  Und damit unterstützt Moodle einen weiteren Punkt, der mir bei keiner anderen Plattform so intensiv begegnet ist: Die Zusammenarbeit über die eigenen Schulgrenzen hinweg wird gefördert. Schon oft bin ich über ein technisches Problem mit Moodle in kontakt mit anderen kollegen gekommen, die das entsprechende Plugin oder eine Erweiterung kannten und zugleich weiteren wichtigen Austausch über das eigentliche Problem hinaus mitgebracht haben: “Hilfe zur Selbsthilfe” oder “Geht nicht, gibt’s nicht”.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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