YouTube-Unterricht an Schulen

Kommentieren 13. October 2008

YouTube-Unterricht an Schulen gefordert” lautet der kurze Artikel bei pressetext.at auf den ich über unseren Partner teachersnews.net aufmerksam wurde. Interessante Statements daraus sind (praktische Tipps am Ende meines Beitrags):

Erwachsene schenken den Online-Aktivitäten der sogenannten Generation YouTube zu wenig Aufmerksamkeit. (…)

Die Forscher fordern daher, dass insbesondere auch an Schulen der Enthusiasmus und die Fähigkeiten, die von den jungen Menschen an den Tag gelegt werden, stärker gefördert werden. “Heute ist das Verfassen eines Blogs für Jugendliche so normal wie Tagebuchschreiben – das ist eine gewaltige Veränderung”, sagt Celia Hannon, federführende Autorin der Studie. (…)

“Schulen, Universitäten und Unternehmen sollten junge Leute auf eine Zeit vorbereiten, in der herkömmliche Lebensläufe an Bedeutung verlieren werden. Der richtige Umgang mit der Selbstdarstellung im Netz muss gelehrt werden.” Dabei gehe es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Fragen der Privatsphäre und geistiges Eigentum. “Es gehört aus unserer Sicht zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen, Schülern den verantwortlichen Umgang mit dem Internet und seinen Möglichkeiten zu vermitteln. Das ist integrale Aufgabe aller Fächer”, meint dazu Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes http://www.lehrerverband.de, auf Nachfrage von pressetext.

Ich kann dem nur zustimmen. Wir sind an einem Punkt, an dem wir uns tatsächlich damit auseinandersetzen müssen, öffentliche Plattformen wie youtube auch in Schulen in den Blick zu nehmen. Denn dies sind die neuen Räume, in denen sich Jugendliche tagtäglich bewegen. Und – das macht diese Bewegungen noch relevanter für Schulen – diese Plattformen tragen zur Meinungsbildung der Jugendlichen bei. Es handelt sich nicht um einfache Spiele oder Zeitvertreibe, sondern dort werden Meinungen und Ansichten ausgetauscht und geprägt. Dass dies sogar soweit geht, dass demokratische Strukturen davon betroffen bzw. beeinflusst sein/werden können, zeigt folgendes Video von demos.co.uk (auf den jüngsten Report von demos wird auch in diesem Blog demnächst einzugehen sein):

Und spätestens, wenn wir dies erkennen, definiert sich der Auftrag für Schule fast automatisch: Schule muss Jugendliche im Umgang und der Handhabung von derartigen, neuen Medien (hier: youtube) vertraut machen und sensibilisieren. Dabei kann es aber nicht um den erhobenen Zeigefinger gehen, der erfahrungsgemäß solche Dinge nur zusätzlich spannend macht.

“Das ist integrale Aufgabe aller Fächer”, ist in meinen Augen genau die korrekte Forderung (siehe oben). Denn wir brauchen keine Extra-Stunde “Youtube-Videos” im Curriculum oder eine Unterrichtseinheit mit diesem Thema. Wer Schüler sensibilisieren will, muss ihnen Mehrwerte, mögliche Funktionen und auch Gefahren aufzeigen, indem mit dem Medium selber umgegangen wird. Indem man sie aktiv im Unterricht nutzt und nicht im Sinne von “mit youtube über youtube reden” nutzt, aber sie in den stofflichen/thematischen Kontext einbindet und zu einem methodischen Bestandteil modernen Unterrichts werden lässt, wird man diesem Prozess eher gerecht als mit Lehrstunden zu online-Videoplattformen. Einfacher gesagt als getan, wird mancher einwenden. Wie soll ich youtube in den Unterricht bringen? Ich werde mein eigenes Examensprojekt des virtuellen Stationenlernens nach dessen Abschluss auch hier vorstellen, in dem ich Videos integriere und als Ausgangspunkt für selbstverantwortliches lernen nutze. Im Moment sei aber auf einen tollen Blog verwiesen, wo man sich genau diese Fragen stellt und auch sehr praxisnahe Beispiele posted. Ich kann teflclips.com als erste Anregung und Fundgrube nur sehr empfehlen:

The phenomenon of video sharing in general and YouTube in particular is currently asserting its influence on news, politics, law, music, entertainment, advertising and many other areas of society. For the language teacher, YouTube may be the single best source of material the classroom has ever seen. The question, “How can we use YouTube in the classroom?” encompasses many others including:

How can we use moving images in the classroom?

How can we use audio in the classroom?

How can we use film in the classroom?

How can we use art in the classroom?

How can we use technology in the classroom?

How can we use music in the classroom?

How can we use adverts in the classroom?

How should we use and approach news and current affairs in the classroom?

How should we approach the subject of the media in the classroom?

How can we organise class film-making projects?

http://www.teflclips.com/?page_id=2

Und eine Spitze aus der Praxis sei mir an dieser Stelle auch noch gewährt: Während der Vorbereitungen meines Projekts musste ich feststellen, dass es gefühlte Ewigkeiten dauert, bis an unseren Schulrechnern youtube-Videos geladen werden und starten. Auf der Suche nach der Ursache, die ganz augenscheinlich technischer Natur sein musste, musste ich mich belehren lassen, dass das “pädagogische Netz” über welches in Frankfurt am Main Schulen ans Internet angeschlossen werden, durch einen Proxy läuft, welcher ganz bewusst filtert und den Einsatz von streaming/video-Technologien somit stark ausbremst. Ich hoffe, andernorts ist der Einsatz neuer Medien problemfreier möglich und würde mich über Erfahrungen mit youtube im Unterricht auch aus großem persönlichen Interesse freuen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Share