Bildungstheoretische Antworten der Schule mit Blick auf das Handy

Kommentieren 06. October 2008

Auf den Seiten der PH Zürich wurden jüngst mehrere Beiträge zum Bereich neuer Medien in Bildung und Schule veröffentlicht. Darunter ist auch ein Beitrag von Ben Bachmaier mit dem Titel “Bildung in der mobilen Kultur – Bildungstheoretische Antworten der Schule mit Blick auf das Handy“.

[flv]http://www.phzh.ch/webautor-data/627/ben_bachmair_080902.flv[/flv]

Der Beitrag ist in der Tat schwere Kost. Daher möchte ich im Folgenden ein paar Szenen herausgreifen, die mir besonders interessant erschienen.

[quicktime]http://blog4.initiatived21.de/wp-content/uploads/2008/10/bachmair1.mov[/quicktime]

Ich denke, damit spricht er – wenn auch sehr wissenschaftlich ausgedrückt – einen wesentlichen Aspekt an: wir drohen, Schüler und deren Lernen nicht nur zu entkoppeln sondern auch zu negieren. Letzteres halte ich für hoch problematisch, da dies die Situationen sind, die zu Unverständnis und sinkender Akzeptanz gegenüber schulischem Lernen führen. Im Bereich der Medialität entfernen sich Schüler im Moment zunehmend von schulischen Inhalten. Aber – und das spricht Bachmair zu Recht an – sie entfernen sich auch hinsichtlich der Bedeutungskonstitutionen und gehen Risiken der individualisierten Lernkontexte ein, die immer weniger schulisch gebündelt werden.

Für Bachmair ergeben sich daraus zwei kulturell situierte Diskurse, zwischen denen Übersetzt werden muss:

[quicktime]http://blog4.initiatived21.de/wp-content/uploads/2008/10/bachmair2.mov[/quicktime]

Nach Bachmair muss es also darum gehen, die Fähigkeiten des informellen Lernens, die zu dem reichhaltigen Expertenwissen unserer Schüler im BEreich der neuen Medien führt, in die Schulen hineinzuholen. Diesen Ansatz kann man eigentlich nur für sinnvoll halten. Doch – und da geht Bachmair für meinen Geschmack zu wenig drauf ein – wie funktioniert denn nun dieses “Übersetzen” zwischen den Diskursen “Alltag” und “Schule”? Dem Schüler sein Handy in die Hand zu drücken und ihm zu sagen, er wisse ja bereits, wie er damit umzugehen habe, er solle also mal machen, kann ja wenig bis gar nicht didaktisch sinnvoll sein. Auch beim Ansatz des Fotografierens von geometrischen Figuren, der im Beitrag vorgestellt wird, frage ich mich, ob wir damit unseren schulischen Auftrag bereits erfüllt haben. Denn ich halte das Handy und die diversen anderen Medienkomponenten bis hin zum Web 2.0 für Bestandteile einer sich verändernden Kommunikation. Beim Handyfotografieren geht es für mich weniger darum, dass ich nun ein Foto digital anstatt auf Papier besitze, sondern um die Möglichkeit, das Bild unmittelbar zu kommunizieren, zu teilen, zu sharen. Somit glaube ich, dass Bachmair tatsächlich richtig hervorhebt, diese Techniken in die Schule zu holen. Ob ich damit aber das eigentliche Potenzial und auch die Gefahren des Mediums richtig einschätze, steht auf einem anderen Blatt. Um in der Sprache Bachmairs zu bleiben: Wir müssen genau prüfen, wer die “Übersetzer” zwischen den Diskursen sind. Und hierzu führt der Weg für mich über eine medial fundierte Lehrerausbildung, die eben nicht wie derzeit oft der Fall wenige Jahre nach dem Referendariat durch den Fortschritt überholt ist. Und um erneut im Bild Bachmairs zu bleiben: Die Experten kommen jeden morgen in Scharen an unsere Schulen – wir sollten als Lehrer dieses Potential nutzen und nicht verzweifelt den Kopf in den Sand stecken, wenn uns eine technische Entwicklung zu überholen droht. Don’t be the sage on the stage but the guide on the side!

Sehr gut gefällt mir auch die Feststellung, dass wir es bei vielen Web 2.0-Tools – hier youtube – mit kollaborativen Arbeiten “vom Feinsten” zu tun haben. Und auch die Tatsache, dass in der Tat ein gewisses Maß an kulturellen und intellektuellen Fähigkeiten vorhanden sein muss, um an diesen Kommunikationssträngen teilhaben zu können:

[quicktime]http://blog4.initiatived21.de/wp-content/uploads/2008/10/bachmair3.mov[/quicktime]

Weil dieses Niveau hoch ist und fremd ist, behaupte ich mal, sagen Lehrer dazu Nein.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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