George Lucas Educational Foundation: Medienerziehung

Kommentieren 01. October 2008

Medienerziehung ist das wesentliche Stichwort, dem sich jüngst die Edutopia widmet. Dabei steht weniger das Internet im Vordergrund, sondern wird eher sekundär tangiert. Im Fokus stehen Medien mit bewegten Bildern und die mit ihnen einhergehende “Sprache”. Denn in der Tat müssen wir aufpassen, dass wir nicht permanent mit den Medien Film & Fernsehen umgehen, ohne zu verstehen, wie diese überhaupt funktionieren. Denn so wie man im Englischen tenses, clauses und vocabulary lernen müssen, um die Sprache zu verstehen, müssen wir vielleicht auch Kamerafahrten, Bildkompositionen und Zoomen lernen, um Filme zu verstehen:

Besonders gut sehen kann man im Video, wie schwer es ist, diese Dinge zu lehren. Denn in meinen Augen kann man diese Dinge nur aktiv lernen. Wie kaum ein anderer Unterrichtsinhalt ist die Medienkompetenz an Wahrnehmungen, Emotionen und Subjektivität geknüpft. Denn genau auf diese Aspekte zielen moderne Filme, Werbung und Fernsehen (z.B. Nachrichtensendungen). Im Internet und Web 2.0 begegnet uns Manipulation durch Medien inzwischen sehr offensiv. Da wird getrickst, gemogelt und gelogen. Das wohl populärste Beispiel ist das Werbevideo eines bekannten US-Sportlers, das mit mehreren Manipulationstricks zugleich arbeitet (Anschein des amateur/user generated content, product placement und handwerkliche Bildmanipulation):

(Auflösung gibt es hier)

Wer so etwas verstehen will, muss verstehen, wie Bildmedien funktionieren. Man muss die Sprache von Filmen und deren Techniken – gewissermaßen deren Grammatik – verstehen. Zugleich muss man deren Wirkung einschätzen und nachvollziehen können. Und das was uns in jedem Sprachunterricht begegnet, gilt auch für die Medien-/Filmsprache:

  1. Eine Sprache lernt man nur, wenn man sie spricht. In diesem Fall, wenn man selber Fernsehen und Filme produzieren.
  2. Sprache lernt man am besten in authentischen Situationen. In diesem Fall also in Produktionen, die in Kontexte integriert sind. Also z.B. eine Live-Sendung zum 30jährigen Krieg in Geschichte oder eine Video-Podcast-Produktion zum Pflanzenwachstum in Biologie.

Somit – und auch das macht das Video von Edutopia deutlich – ist es ähnlich wie beim Computer wenig sinnvoll, es zu extrahieren und in expliziten “Medienstunden” zu unterrichten. Erst wenn Medien an dem Ort auftauchen, für den sie bestimmt sind, können sie ihr volles Potential entfalten. Sie müssen somit in den Fachuntericht integriert und zu einem Bestandteil dessen werden. Denn einen Schnitt wird man erst dann richtig einschätzen können, wenn man mal selber erlebt, was da eigentlich konkret weggeschnitten wird, was verloren geht oder wie aus einem langwierigen (vielleicht langweiligen) Experiment im Zusammenschnit plötzlich ein spannender Kurzbeitrag wird.

Und damit taucht das nächste Problem auf: Wer das Edutopia-Video gesehen hat, wird wahrscheinlich als Lehrer spontan aufstöhnen, dass es ja vollkommen illusorisch sei, eine technische Ausstattung, wie teilweise im Beitrag gezeigt, an Schulen zur Verfügung zu stellen. Und was machen Schulen im ländlichen Bereich, die keinen schnellen Zugriff auf eine Medienstelle haben? Und an dieser Stelle erlaube auch ich mir einen kleinen Trick, indem ich dazu auf den morgigen Beitrag  in diesem Blog verweise und ein kostenloses, Web 2.0-taugliches und nahezu professionelles Fernsehstudio verspreche vorzustellen… Denn es ist möglich und macht zudem noch einen rießigen Spaß!

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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