Edmodo: Twitter für Lehrer und Schüler

Kommentieren 25. September 2008

Über Twitter habe ich ja bereits im Blog berichtet und auch die verschiedenen Optionen für den Unterricht vorgestellt. Dies soll an dieser Stelle nicht alles wiederholt werden. Gestern bin ich allerdings auf einen Dienst gestoßen, der nahezu alle Vorteile von Twitter bietet, aber zugleich auch speziell auf Schule und Unterricht zugeschnitten ist. Edmodo bietet Microblogging für die Schule und ist Anfang dieses Monats online bzw. public gegangen:

Edmodo is a private micro-blogging platform built for use by teachers and students.Traditional web 2.0 tools in a k-12 classroom environment create concerns over privacy. Edmodo has been built with the privacy of students in mind.

http://www.edmodo.com/blog/about/

Edmodo bietet zwei Arten des Zugangs: für Lehrer und für Schüler. Erstere haben ein paar mehr Optionen, während Schüler sich hauptsächlich in bestehende Kurse einwählen. Dazu werden diese vom Lehrer erstellt und dieser verteilt auch den generierten Zugangsschlüssel an seine Schüler. Letztere müssen sich zwar registrieren, dies funktioniert allerdings ohne eine e-Mail-Adresse oder ähnliche Hürden, sondern einfach über einen Nutzernamen und ein Kennwort (ohne dies geht es dann doch nicht).

Ansonsten ist die Ähnlichkeit zu Twitter kaum zu übersehen. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings die mögliche Länge der erstellbaren Nachrichten. Im Gegensatz zu Twitter besteht hier keine Zeichenbegrenzung, was auch längere Posts zulässt. Diese Posts können zudem nicht nur Text enthalten sondern auch Links und Dateien. Lehrer können zusätzlich auch “alerts”, “assignements” und “events” posten. Denn neben dem Microblog bietet Edmodo auch einen Gruppenkalendar.

Grundsätzlich handelt es sich bei den Microblogs also um abgeschlossene Räume, die sich zum Üben fürs “echte” Twitter oder natürlich für gruppen-/klasseninterne Diskussionen eignen. Einzelne Post lassen sich aber auch “public” schalten und über einen automatisierten rss-Feed extern lesen. Ich denke, dass diese Mischung und die Option zwischen privat/geschlossen und öffentlich Edmodo für die Schule besonders interessant macht. Wer vor Twitter aufgrund der Öffentlichkeit zurückschreckt, die Idee des Microbloggens aber mag, wird in Edmodo genau das richtige Tool finden.

Die Seite ist so einfach gehalten, dass sie intuitiv bedienbar ist. Zudem ist die Oberfläche so stabil, dass ich sie problemlos über einen iframe in mein Moodle integrieren konnte. Die möglichen Einsatzszenarien sind vielfältig:

  • Brainstorming im Klassenverband
  • Kommunikationstool für längerfristige Gruppenarbeiten bzw. Projekte (z.B. für die Theater-AG inkl. Probenkalendar und schnelle Informationsverbreitung)
  • Informationsmedium für die Eltern einer Klasse (der Lehrer kann schnell und unkompliziert Neuigkeiten posten und die Eltern rufen die Infos nach Bedarf ab)
  • Kollegiums-/fachschaftsinterne Kommunikation: Lehrer können sich schnell über Klassen oder auch einzelne Schüler austauschen und informieren
  • Schwarzes Brett für die Schulleitung
  • Virtuelle Wandzeitung einer Klasse (statt Probleme, Vorhaben, Neuigkeiten im Klassenraum per Papier zu führen, erlaubt die virtuelle Wandzeitung den permanenten Zugriff und Austausch)

Die Kommunikation findet unaufdringlich, schnell und spontan statt. Wer Twitter mag, wird Edmodo schnell verstehen. Und die Gruppenbildung mit der Möglichkeit, mehrere Gruppen parallel zu erstellen oder zu verfolgen, macht das Tool sehr brauchbar für die Schule. Auch wenn ich bisher die von Edmodo vorgegebene Trennung von Lehrer und Schüler verfolgt habe: Natürlich ist es ebenso denkbar, dass Schüler sich als Lehrer anmelden und so eigene Gruppen erstellen können. Dadurch bekommen sie eigene Räume, in die sie die Lehrer einladen können aber nicht müssen.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Only available in English. Allerdings ist die Oberfläche schon fast so selbsterklärend, dass dies spätestens ab dem 2./3. Lernjahr kaum noch ernsthafte Probleme bereiten sollte.

Ich werde nach den Herbstferien mein etwas größeres moodle-Projekt in Form eines virtuellen Stationenlernens starten, welches ich eigentlich durch eine Einbindung von Wordpress MU begleiten wollte. Aber auf den ersten und auch zweiten Blick gefällt mir Edmodo für den Zweck des Austauschs und der Lernstandsdiagnose fast besser. Ich werde mir das über die Ferien noch mal genau überlegen müssen ;-) Ich halte Edmodo somit für ein gelungenes Tool, welches ich in die Reihe von Wordpress MU (als umfangreichstes und komplexestes Werkzeug) und Lerntagebücher.ch einreihen möchte. Ich bin gespannt auf Feedback, ob unsere Leser meine positive Einschätzung teilen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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  1. 26. September 2008 um 15:31 | #1

    Vielen Dank für den tollen Tipp! Werde ich vielleicht auch mal ausprobieren!

  2. 26. September 2008 um 16:28 | #2

    Thank you for writing about Edmodo. We have been getting a lot of interest in internationalizing Edmodo and doing translations. It is something we very much want to tackle in the future. We just aren’t sure when we will get to it.

  3. 26. September 2008 um 17:40 | #3

    Sehr spannend. Danke für den Hinweis.

  4. 02. November 2008 um 01:51 | #4

    Erste einmal:

    Vielen Dank für den Artikel und die wirklich spannenden Informationen über Edmondo. Praktisch sehe ich bei Ihren Tipps einen, den ich für schwierig erachte:

    »Lehrer können sich schnell über Klassen oder auch einzelne Schüler austauschen und informieren«

    Das halte ich für problematisch, weil bei einem solchen Austausch persönliche Daten in einem Maße eine Rolle spielen können, die geschützt werden müssen. Eine Plattform wie Edmondo kann diesen Schutz nicht bieten, da diese Daten auf einem externen, unverschlüsselten Server landen, auf dem zumindest die Betreiber auf jeden Fall mitlesen können.

    Bei allen anderen Anwendungsbeispielen sehe bis jetzt kein Problem – außer der Tatsachhe, dass Edmondo bislang nur auf Englisch verfügbar ist und dies für Schülerinnen und Schüler oder auch deren Eltern möglicherweise die Bedienung nicht unbedingt leichter macht. Aber es ist ja durchaus möglich, dass es Lokalisierungen dieses Angebotes geben wird…

  5. 16. September 2009 um 21:13 | #5

    Ich denke Edmodo bietet für die Schüler/innen eine neue Möglichkeit sich zu Themen zu äußern und sich in Diskussionen mit einzubringen. Vielleicht kommen dem einen oder anderen erst später interessante, sinnvolle Gedanken. Geht mir zumindest so! Allein für ein Lehrerfeedback, Brainstorming als Hausaufgabe, … kann ich mir Edmodo super vorstellen. Somit kann der Informationsaustausch zwischen Lehrer und Schüler nach dem Unterricht weitergehen und jeder Lehrer weiß wie schnell 45 Minuten vorüber gehen.Ist doch klasse! Ich finde es wird Zeit die neuen Medien auch in der Schule verantwortungsbewusst anzuwenden.

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