11 Kernkompetenzen der Medienpartizipation

Kommentieren 19. September 2008

Medienpädagogik ist ein durchaus weites Feld, bei dem man immer wieder schnell an seine Grenzen stößt – meist in technischer Hinsicht (bzw. bei der eigenen Ausstattung an der Schule). Auf der anderen Seite ist das Feld so weit, dass man kaum weiß, wo anfangen, denn es kann – und das wurde auch im Blog schon öfters “angemahnt” – nicht mehr um reine Vermittlung von Computerkenntnissen gehen. Inzwischen müssen wir auch in diesem Bereich den Blick deutlich auf übergeordnete Kompetenzen richten.

Genau dies tut auch Prof. Dr. Michael-Wagner von der Donau-Universität Krems. Er hat ein Poster erstellt, auf dem er kurz und bündig – und dennoch sehr ansprechend – 11 Kernkompetenzen der Medienpartizipation vereinigt:

  1. Experimentelles Spiel
  2. Spiel mit den Identitäten
  3. Modellbildung und Simulation
  4. Wiederverwendung von Inhalten
  5. Adaptives Multitasking
  6. Verteilte Wahrnehmung
  7. Kollektive Intelligenz
  8. Bewertung von Medieninhalten
  9. Transmedial Navigation
  10. Informationsvernetzung
  11. Umgang mit alternativen Normen

Auf donau-uni.ac.at gibt es sowohl das Poster zum freien Ausdruck in verschiedenen Größen als auch folgendes Statement:

In seinem grundlegenden White Paper “Confronting the Challenges of Participatory Culture: Media Education in the 21st Century” (verfügbar auf www.newmedialiteracies.org) beschreibt der am MIT lehrende Medientheoretiker Henry Jenkins insgesamt 11 Kernkompetenzen im Umgang mit partizipativen Medien. Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist eine der wichtigsten Aufgaben einer zeitgemäßen Medienpädagogik und bildet daher auch eine wesentliche Grundlage des Masterstudiengangs in MedienSpielPädagogik sowie des Masterstudiengangs in Applied Game Studies.

Das folgende Poster stellt die deutschsprachige Adaption dieser Grundprinzipien dar – zum Downloaden, Ausdrucken, Aufhängen und Weitergeben.

Ich halte diese Zusammenstellung auch daher für beachtenswert, da sie verdeutlicht, dass wir in Computerspielen zwar eine besondere Form der Mediennutzung haben, die in Schule (noch) zu wenig Beachtung findet und zu unreflektiert der privaten Nutzung anheim gestellt wird, die aber zugleich eine Vielzahl allgemein medienrelevanter Kompetenzen zu vereinigen mag.

Auch auf unseren Fachtagungen waren Computerspiele immer wieder Bestandteil von Gruppenarbeiten und Diskussionen. Dabei hat sich (für mich) immer wieder gezeigt, dass nicht mehr möglich ist, Computerspiele in eine Nische zu drängen, die mediendidaktisch nicht betrachtet wird. Denn wer sich die 11 Kompetenzen genau ansieht, wird diverse Überschneidungen zu dem finden, was wir auch mit kollaborativen Tools à la Wiki, Blog & Co zu erreichen/vermitteln versuchen.

Ich muss zugeben, dass ich bei der Frage, wie sich Medien wie Computerspiele in den Unterricht integrieren lassen, noch etwas unsicher bin. Als Schüler habe ich Spiele wie Caesar I-III gespielt und habe bereits damals bemerkt, dass ich besser als mancher Mitschüler einschätzen konnte, welche Funktion z.B. ein Ädil im alten Rom hatte. ein weiteres Erfolgserlebnis war für mich, als ich die im Unterricht kennen gelernte Tatsache, dass die Römer ihre Städte anhand rechtwinklig ausgerichteter Strassen aufbauten, ins Spiel übertrug und direkt das nächste Level erreichte. Über kurze Spielesequenzen oder Computerspiele-AGs sollte man also ruhig intensiver nachdenken. Und die auf der oben genannten Seite werden auch genau die richtigen Ausgangsfragen dazu formuliert:

  • Machen Computerspiele süchtig? Fördern sie aggressives Verhalten? Sind Computerspiele ein Kulturgut?
  • Wie können wir über die Analyse der gesellschaftlichen Wirkung von Computerspielen bessere Spiele entwickeln?
  • Wie kann klassische Bildung gegenüber einer hochmotivierenden technologisch orientierten Populärkultur bestehen?
  • Wie können wir über die Einbindung partizipativer Medien einen unterhaltsamen Unterricht gestalten?

In diesem Sinne: Vielleicht ist das Poster eine Zierde für Ihren Schul-IT-Raum – auch um mit Schülern über das Thema ins Gespräch zu kommen?

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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