Kurzmeldungen: Lernplattformen

Kommentieren 15. September 2008

Heute scheint Lernplattformentag zu sein, wenn ich mir so die Meldungen in meinem rss-Reader ansehe. Leider habe ich heute und morgen nicht genug Zeit für ausführliche Berichte, verspreche aber, alsbald persönliche Einschätzungen und Bewertungen zu posten. Für’s Erste aber eine schnelle Sammlung, mit der Interessierte bereits arbeiten können, da durchaus Praxisorientiertes dabei ist …

1) ILIAS als sichere Lernplattform von der NATO bestätigt:

    Die Open-Source-Lernplattform ILIAS erfüllt die hohen Sicherheitsanforderungen der NATO und darf auch für das Training mit geheimen Lerninhalten verwendet werden. Eine entsprechende Freigabe erfolgte jetzt durch die NCSA (NATO Communications and Information Systems Agency) in Mons, Belgien.

    Bei der dreitägigen Überprüfung gelang es den Computerexperten nicht, die ILIAS-Installation zu hacken oder unbefugt Daten zu manipulieren oder auszuspähen. Als erste Open-Source-Software überhaupt kann ILIAS damit auch im NATO-Intranet Chronos eingesetzt werden, das höchste Sicherheitsanforderungen an die eingesetzte Software stellt.

    Bislang betreibt die NATO bereits eine ILIAS-Installation in den Vereinigten Staaten, die aber nur allgemein zugängliche und unkritische Lerninhalte bereitstellt. So nutzt die NATO ILIAS zum Beispiel für die Vorbereitung der Soldaten auf den Einsatz im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan. Dank der erfolgreichen Sicherheitsüberprüfung können nun zum Beispiel auch Trainingsmaterialien über Sprengstoffe, Waffensysteme oder strategische Themen über ILIAS angeboten werden.

    http://www.checkpoint-elearning.de/?aID=5877

    Gut zu wissen – aber wofür? Wollen wir wirklich Schule zum Hochsicherheitstrackt erklären? Brauchen wir abgeriegelte Räume? Funktioniert die Gesellschaft, in die wir unsere Schüler integrieren sollen, so? Brauchen wir an Schulen nicht genau das Gegenteil? Brauchen wir nicht vielmehr offene Räume, die es den Schüler ermöglicht, in Kontakt- und Feedbacksituationen mit außerschulischen Menschen/Gruppen zu kommen, statt sich auf interne Projekte zu beschränken? Allerdings mag die Erkenntnis, dass ILIAS derart robust gegen Angriffe ist, ein guter Hinweis dahingehend sein, dass sich diese Plattform evtl. für die kollegiumsinterne Nutzung eignet (und dann eingesetzt natürlich auch für Unterricht genutzt werden kann). Denn wenn wir – wie auf der Tandem-Tagung aus der Wirtschaft gehört – eine Art “papierlose Schule” oder zumindest virtuelle Räume schaffen wollen, in denen auch sensible Schulinternita und Noten / Zeugnisse eingestellt werden sollen, müssen derartige Sicherheitsaspekte bedacht werden. Ich selber habe mir für mein Projekt des “virtuellen Lehrerzimmers” diesbezüglich Gedanken gemacht und festgestellt, dass dies ein Aspekt ist, der von nahezu keiner Plattform als “Feature” ins Feld geführt wird. Zwar betonen alle zu einem gewissen Grad Sicherheit gegen Angriffe von außen – so richtig getestet wurde dies aber noch nicht und bleibt oft auf der Ebene der Behauptung/Beteuerung. Gibt es eigentl. Standards/Zertifizierungen für derartige Dinge (ich werde mich informieren müssen)?

2) Open Source meets Commercial: Adobe Connect integriert:

oncampus, die eLearning-Tochter der Fachhochschule Lübeck, hat für seinen Lernraum Moodle eine Schnittstelle zu der kommerziellen Webkonferenz-Software “Adobe Connect” des US-amerikanischen Softwareunternehmens Adobe programmiert. “Dieser Schritt war notwendig, weil die bisher vorhandenen synchronen Kommunikationsmöglichkeiten in Moodle für unsere Bedürfnisse, komplette Vorlesungen im Netz durchzuführen, nicht ausreichten”, so Andreas Wittke, Leiter des Bereichs System Development bei oncampus.

In solchen Kooperationen mit IT-Unternehmen entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Adobe spart durch die Entwicklungsleistung eigene Kosten; Moodle kann seinen Nutzern eine Schnittstelle zu einem alternativen synchronen Kommunikationstool anbieten. Das Tool ermöglicht den Studierenden, sich während der Online-Vorlesung mit dem Dozenten per Webkamera und Headset auszutauschen, gemeinsam zu surfen und an einem Dokument zu arbeiten (Desktop und Application Sharing). Ein erfolgreiches Beispiel, das Modell sein kann für das künftige Zusammenspiel von Open Source und kommerziellen Lösungen.

http://www.checkpoint-elearning.de/?aID=5879

Ein in meinen Augen toller Ansatz. Denn genau hier liegt für mich der zukünftige Weg. Es kann nicht im Interesse von Schule und Lehrern sein, dass alltäglich neue Lernplattformen und CMS aus dem Boden sprießen. Es muss darum gehen, Schnittstellen zwischen den existierenden Produkten zu schaffen. Dies ist – zugegeben – bei kommerziellen Anbietern leichter gesagt als getan, aber der oben beschriebene Weg von Adobe macht Mut, dass wir evtl. eine Trendwende erkennen können, die hin zu Mashup-Lösungen geht und es dem Einzelnen ermöglicht, sich individuell bzw. mit Blick auf seine Lerngruppe die für ihn sinnvollen Tools zusammenzustellen. Und dass ausgerechnet Moodle an solch einem Projekt beteiligt ist, kommt wohl auch nicht von ungefähr sondern beweist einmal mehr, dass dies die aktuell flexibelste, individuell anpassbarste und offenste virtuelle Lernumgebung ist und sich auch durch ihre Philosophie am ehesten für die Integration “fremder” Dienste eignet. Ich möchte dazu auch auf ein Post über Blackboard verweisen, in dem ich ähnliche Ansätze erkannt und hervorgehoben habe.

3) Neue Plattform für die schulische Online-Arbeit: lo-kompakt:

Eine neue Lern- und Arbeitsplattform bereichert die Bildungslandschaft: lo-kompakt ermöglicht Lehrkräften und Lernenden den unkomplizierten Einstieg in die unterrichtliche Online-Zusammenarbeit. Mit lo-kompakt wird das schulspezifische Angebot der lo-net GmbH erweitert. (…)

Mit lo-kompakt möchte die lo-net GmbH die Lehrer erreichen, die mit Ihren Schülern unabhängig von der ganzen Schule die Möglichkeiten einer Bildungsplattform schnell und effektiv im Rahmen einer Klasse oder Kurses nutzen wollen. Somit ist lo-kompakt als Einstiegsplattform konzipiert: schlank, selbsterklärend strukturiert und sowohl für Lehrer als auch Schüler leicht zu handhaben. Natürlich ist die Nutzung von lo-kompakt – ebenso wie bei lo-net2 – für die Lehrer und Schüler öffentlicher Schulen kostenfrei.

http://bildungsklick.de/pm/63040/neue-plattform-fuer-die-schulische-online-arbeit-lo-kompakt/

Das muss und werde ich mir anschauen und dann mehr berichten. Jede voreilige Bewertung verbietet sich an dieser Stelle. Wer schneller ist als ich, gibt doch bitte ein kurzes Feedback über die Kommentarfunktion – Danke! Meine Schwerpunkte bei der Betrachtung werden sein:

  • Wird Kommunikation und Vernetzung (Gruppenbildung, Tagging, oder ähnliches) spürbar vereinfacht?
  • Gibt es Alleinstellungsmerkmale? Wenn ja, welche?
  • Wie, wo und durch wen werden Daten gehostet/verwaltet? Welche Zugriffsmöglichkeiten auf die Daten gibt es?
  • Wie erfolgt die Anmeldung/Registrierung (unabhängig, über eine Institution, Dauer des Anmeldeprozesses)?
  • Zielgruppenorientierung: Wer kann Inhalte und Struktur der Plattform verändern und gestalten?
  • Mashup-fähig: Wie abgeschlossen oder offenen ist die Plattform (z.B. Youtube-Videos, Google-Dokumente, Twitter-/Blog-/rss-Integrationsmöglichkeiten) bzw. bringt sie eigene Tools mit, die sich auch außerhalb der Plattform nutzen lassen?

4) TalkEnglish.com:

Talkenglish.com ist eine Plattform mit der Zielsetzung, die kommunikative Kompetenz vor allem die Fähigkeit zu sprechen, zu verbessern. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit für Lehrerinnen und Lehrer auf der ganzen Welt, ihre Unterrichtsstunden miteinander zu teilen. Talkingenglish.com bietet eine Vielzahl an Unterrichtsstunden, die für Studenten frei zu Verfügung stehen.

http://www.teachersnews.net/artikel/sek__ii/englisch/008151.php

Ich möchte hervorheben, dass ein Massen-Post wie dieses in diesem Blog nicht zur Regel werden soll und eine Ausnahme bleibt. Angesichts der Menge an themenähnlicher Neuigkeiten und der Tatsache, dass ich frühestens gegen Ende der Woche einen genaueren Blick auf die einzelnen Punkte werfen kann, habe ich mich dazu entschieden.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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