Der 2. Tag
Der zweite Tag des Workshops bot nach einer ersten ausgiebigeren Phase der Gruppenarbeit in den einzelnen Teams eine Podiumsdiskussion, die zeigte, wie schwer es teilweise immer noch fällt, die Potentiale von “Web 2.0″ für eine größere Autonomie der eigenen Arbeit in Schule und Verwaltung zu nutzen. Ähnlich wie in Frankfurt haben wir auch diesmal an eine Audio- und sogar Videoaufzeichnung gedacht, die – in den nächsten Tagen geschnitten – hoffentlich schnellstmöglich auch im Blog verfügbar sein wird.
Dennoch – auch um Interessierte von extern auf dem Laufenden zu halten, in welche Richtung wir uns bewegen – möchte ich einige Aspekte aufgreifen, die mir persönlich besonders aufgefallen sind bzw. interessant erschienen. Aufgrund meiner derzeitigen Situation im Bildungssystem möchte ich betonen, dass ich dabei den Aspekt der Problematiken, vor denen Verwaltung und Schulleitungen stehen, ausklammern werde. Hierzu brauche auch ich die erneute Ansicht der Aufzeichnung, um mich damit auseinandersetzen zu können. Dennoch einige Aspekte aus der Diskussion…
Vor allem der schweizer Diskutant Prof. Martin Hofmann hat sehr spannende Punkte benannt, die aus seiner Sichtweise von einer schweizer PH resultieren. Sein erstes Statement (und ich möchte um Rücksicht bitten, dass Zitate noch aus meiner Mitschrift resultieren und bedingt Abweichungen enthalten) war:
Internetnutzung an Schulen steigt nicht mit guter bzw. sehr guter Ausstattung .
Dafür erkennt er vor allem folgende Problematiken:
- Es ist notwendig und häufig noch schwer, Lehrer vom Mehrwert zu überzeugen.
- Es existieren noch wenige bis gar keine Unterrichtsmodelle für den Einsatz neuer Medien (speziell Internet) im Unterricht.
- Zeitmangel.
- Mangelnde methodische und didaktische Kenntnisse seitens der Lehrer.
- Es fehlen pädagogische Zielrichtungen (Schulprofile) für ICT (Computer- und Internetnutzung) an Schulen seitens der Schulleitung.
In meinen Augen trifft er damit wesentliche Kernpunkte, die es zu beachten gilt. Fragwürdiger halte ich allerdings das erste Zitat. Natürlich kann und wird die Nutzung aus den in der Auflistung genannten Punkten nicht zeitgleich mit der Ausstattung steigen. Doch wäre es ebenso unbedacht, hier direkte Kausalitäten knüpfen zu wollen. Ausstattung ist eine Voraussetzung, die sich positiv auswirkt, wenn sie genutzt wird. Erst durch solche, erkennbar funktionierenden Modelle in der Praxis werden wir es schaffen, die Internetnutzung an Schulen zu intensivieren. Angesichts des aktuellen Standes sind wir diesbezüglich noch sehr am Anfang (in Deutschland) und brauchen gerade als diejenigen, die sich jetzt auf den Weg machen, einen guten, langen Atem bis wir feststellen werden, dass sich Andere anschließen. Ich würde also das Zitat gerne umformulieren (im positiven Sinne):
Durch vorbildliche Nutzung wird Internetnutzung an Schulen steigen.
Daran anschließend betonte er einen weiteren Aspekt: ICT muss zum einen im Lehrplan verankert werden und sollte zum anderen integrativ (!) im Unterricht verwendet werden. Weniger explizite Computerunterrichtsstunden, als vielmehr die situative Nutzung von neuen Medien im Fachunterricht ist in seinen Augen der wertvollste Weg, sich einer intensiveren Nutzung in Schule zu nähern.
Sein abschließendes Statement lautete daher auch:
Der Computer hat immer dienende Funktion für guten Unterricht.
Für ihn muss der Computer seinen Mehrwert inzwischen nicht mehr unter Beweis stellen, sondern es gibt mittlerweile Dinge, die man einfach mit dem Computer macht. Lebenswelten oder Technikrealitäten haben uns demnach soweit erreicht, dass wir an der Nutzung von Computern und Internet nicht mehr vorbeikommen werden. Dies erinnert mich an die Diskussion von Ebner und Schiefner, die dem Begriff eLearning sein Ende voraussagen.
Aus dem Grund, dass ich die Äusserungen von Martin Hofmann für anregend hielt, habe ich mich bewusst konzentriert. Natürlich werden alsbald weitere Aspekte folgen. Der morgige Tag wird ausschließlich aus den Teamworks in den Gruppen bestehen, so dass ich hoffe, dass wir dann auch erste Arbeitsergebnisse im Blog veröffentlich können und ich dem nicht vorgreifen möchte..
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.
Vielen Dank Herr Scheppler für die Zusammenfassung und Schilderung ihrer Eindrücke zur gestrigen Talkrunde. Es ist spannend zu lesen, welche Aussagen von mir beim Publikum aufgenommen und wie verstanden wurden; was von der Message überhaupt übrig blieb.
Zur Präszisierung möchte ich meine Aussagen von gestern noch etwas ausführen: Korrekt würde das obige Zitat lauten:
“Internetnutzung an Schulen steigt nicht AUTOMATISCH mit guter bzw. sehr guter Ausstattung.”
Diesen Befund stützen zahlreiche Studien (Elsener et al. (2003). Forschungsbericht: ICT-Nutzung an “High-Tech-Schulen”.; Pekto et al (2007). ICT in Primarschulen – Expertise und Forschungsübersicht.) Wenngleich eine ungenügende Anzal Computer von den Schulverantwortlichen häufig als ein wichtiger Hinderungsgrund wahrgenommen wird. Die Ursachen für die bisher zurückhaltende ICT-Nutzung im Unterricht – vorausgesetzt Infrastruktur und Support sind den Bedürfnissen angepasst – haben Sie ja bereits oben rezitiert. Es ist jedoch ein Trugschluss oder oftmals vielleicht auch eine Ausrede (?) anzunehmen, dass bei guter Computer-Ausstattung automatisch die ICT-Nutzung im Unterricht höher ist!
Häufig wurde bislang in der Diskussion zu wenig beachtet, dass selbstverständlich die Quantität der ICT-Nutzung alleine noch wenig über die Qualität des ICT-Einsatzes im Unterricht aussagt. Wenngleich auch Qualität sich wohl kaum ohne regelmässige Nutzung herstellen lässt.
Danke für diese wertvolle Konkretisierung. Ich hoffe, dass wir alsbald die Aufzeichnung vorliegen haben, um meine ersten Mitschriften zu unterstützen und jedem die Gelegenheit geben können, sich einen eigenen Eindruck zu machen. Denn natürlich blicke ich auch mit meinem subjektiven Blick und Bedürfnissen auf solche Vorträge/Diskussionen.
Die Klarstellung, dass wir nicht zu sehr auf Kausalitäten zwischen Ausstattung und Nutzung setzen/hoffen sollten, halte ich für einen wichtigen Hinweis, den es zu bedenken gilt.