Wordle & Animoto – Spielerei oder Mehrwert?

Kommentieren 01. September 2008

Das Web 2.0 gedeiht derzeit prächtig und treibt ständig neue Blüten. Vieles ist Spielerei, manches einfach eine Demonstration des technisch Machbaren und anderes hat erstaunliche Mehrwerte auch für den Bildungs- und Schulbereich.

Letztere sind diejenigen, die wir in diesem Blog ins Visier nehmen wollen. Dabei ist uns egal, ob die jeweiligen Tools nun dezidiert für den Bildungsbereich ausgewiesen werden oder wir sie zu einem Lernwerkzeug umfunktionieren bzw. deren möglichen Gewinne fürs eigenverantwortliche Lernen aufzeigen.

Zwei dieser Web 2.0-Tools der neusten Generation begegnen mir in letzter Zeit immer mehr und an diversen Orten im Netz. Auf den ersten Blick scheinen sie in die Kategorie Spielerei zu gehören. Durch ihr vermehrtes Auftreten aber auch ihre Ansehnlichkeit, haben sie mich nicht los gelassen und ich überlege noch immer, ob man damit in der Schule etwas anfangen könnte. Es geht – genug der Spannung – um: Wordle und Animoto.

Für Wordle habe ich bereits einige Ideen. Bei Animoto bin ich mir noch sehr unschlüssig.

Wordle:

Worldle ist eigentlich sehr einfach: Man gibt einen Text ein und Wordle erstellt einem eine Word-Wolke. Dabei wird die Häufigkeit einzelner Begriffe dadurch berücksichtigt, dass diese innerhalb der Wolke größer geschrieben werden. Das Prinzip ist also áhnlich der Tag-Wolken, wie wir sie auch in der rechten Leiste unseres Blogs haben. Zusätzlich kann Wordle auch ganze Webseiten analysieren und in solchen Begriffswolken darstellen. Das obige Bild ist das Beispiel.

Ansehnlich? – Auf jeden Fall, denn man kann die Schrift, Farben und das Layout dem eigenen Geschmack anpassen.

Schultauglich? – mmmmh… Ich überlege seit ca. 1 Woche… Jein?

Den Ausschlag, es aufzunehmen lieferte mein M14-Modul innerhalb meiner Ausbildung (zum Schwerpubnkt Diagnostizieren). Dort wurden uns in der ersten Sitzung zwei Methoden der Lernstandsdiagnose (auh im Sinne der Selbsdiagnose für die Schüler) vorgestellt:

  • ABC-Listen: Die Schüler bekommen einen Begriff (z.B. “das alte Ägypten”) und ein Arbeitsblatt, wo senkrecht untereinander das Alphabet aufgelistet ist. Die Schüler sollen nun zu jedem Buchstaben einen Begriff finden, der ihnen “spontan”zum gegebenen Oberbegriff einfällt.
  • Achrostichon: Eigentlich das gleiche Spiel wie bei den ABC-Listen, nur das diesmal nicht das Alphabet die jeweiligen Anfangsbuchstaben liefert, sondern der Kernbegriff selber (es wird z.B. Photosnthese senkrecht herunter geschrieben).

Und ja, es gibt didaktische, feine Unterschiede zwischen den Methoden mit unterschiedlichen Schwerpunkten – das ist aber nicht das Thema hier. Meine Lerngruppe war sich allerdings schnell einig, dass eine der Hauptschwierigkeiten der Methoden in der Auswertung liegt. Wenn 33 6.-Klässler ihre ABC-Listen vorstellen wollen und jeder natürlich noch ein “total”wichtiges, anderes Wort mit H, L oder M gefunden hat, kann es schnell mal unübersichtlich werden.

Und nun kommt Wordle: Wie wäre es, den Schülern diese Listen in einem Blog zu geben, in dem jeder seine ABC-Liste oder Achrostichon postet. Anschließend wird Wordle auf diesen Blog mit den 33 Schülerposts angesetzt – et voila: man bekommt eine hübsche Wolke mit allen Worten und die prominentesten werden bei Mehrfachnennung sondern sofort optisch hervorgehoben. Damit lässt sich doch – an die Wand gebeamt – viel schneller ein gescheites Unterrichtsgespräch aufbauen, oder?

Das gleiche gilt doch auch für andere Brainstorming-Situationen: das Ziel der nächsten Klassenfahrt, die Auswahl des nächsten Jugendbuches für die Klassenlektüre,

In Ansätzen könnte man ähnliches mit Umfragetools erreichen, die anschließend eine Grafik ausgeben. Doch dies ist wenige frei und erfordert ja eine vorgegebene Liste von Auswahloptionen. Zudem ist so eine Wordle-Wolke doch viel “hübscher”als ein Säulendigramm. Zudem ist Wordle kostenfrei, braucht keine Registrierung (sehr gut für Unterrichtseinsätze) und so intuitiv und schnell in der ergebnisproduktion, dass es auch im laufenden Unterricht realisierbar ist (also ohne Vorbereitung und damit der Spontanität der wortfindungsprozesse angemessen).

Somit halte ich Wordle durchaus für ein brauchbares Tool, das allerdings keinen Mehrwert im Sinne von Kompetenzgewinnen hat, sondern eher im Bereich der ästhetischen Organisation von quantitativ komplexeren und unübersichtlichen Sammlungsaktionen (Ideen, Begriffe u.a.).

Auf ein derzeitiges Problem und auch die Tatsache, dass ich offenbar nicht der einzige bin, der sich Gedanken über den Schuleinsatz macht, weist der Seitenbetreiber selber hin:

I’m a teacher, and I’d like to use Wordle in the classroom or send my students to use it at home. Can you filter or moderate Wordle’s content?

Wordle, as it stands, is inappropriate for classroom use. This is because I do not censor the content that appears on Wordle (I couldn’t possibly; there are thousands a week), and, therefore, it’s possible to find images in the public gallery that are entirely unsuitable for younger users. I regret this, and hope to address it some day, but that’s how it is for now.

Keep in mind that Wordle is quite new, having existed for only a few months, and that I hadn’t anticipated that people would find uses for beyond entertainment. Now that educators have made their wishes known to me—I’ve received over 100 letters from teachers—I’ll put my mind to a solution. It won’t come immediately, but something will come.

http://wordle.net/faq#content

Animoto:

Animoto taucht derzeit vermehrt in Blog, bei Youtube und privaten Homepages auf. Mit diesem Tool lassen sich ansehniche Kurzvideos erstellen, indem man eine Reihe von Fotos hochlädt, einen  Soundtrack auswählt oder einen selbsterstellten hochlädt und dann übernimmt Animoto den Rest – z.B.:

Mich lässt dieses Tool irgendwie nicht los. Allerdings sehe ich momentan noch keine Mehrwerte fürs schulische Lernen oder Organisieren. Ich denke derzeit eher in Richtung Projekte: Ankündigung des nächsten Stücks der Theater-AG auf der Schulhomepage mit Probenfotos, Vorstellung der Kandidaten für die Schülersprecherwahl, Video-/Foto-Bericht von der Klassenfahrt für die Schulgemeinde. Vielleicht kann man sowas auch im Kunstunterricht gebrauchen?

Somit wird dies mal wieder ein offenes Posting in der Hoffnung, dass der eine oder andere einen Kommentar hinterlässt, wie die Toolseinzuschätzen sind oder ob es weitere Ideen für deren Verwendung gibt.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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