Schülerstatements zu Moodle

Kommentieren 29. August 2008

Seit heute sind fast alle meine Lerngruppen (aber alle geplanten) im Moodle registriert, angemeldet und unterwegs. Seit Schuljahresbeginn habe ich sie mit unterschiedlichem Tempo, Intensität und und inhaltlichen Umfang auf die Plattform “los gelassen”.

Heute kam dann auch die letzte Lerngruppe hinzu, die – wie ich erfahren habe – bereits Erfahrungen mit Lo-Net2 haben. Drei Schüleräußerungen sind mir dabei besonders im Kopf hängen geblieben (ich kriege sie nicht wortwörtlich zusammen, versuche mich aber anzunähern:

  1. “Das mit dem Wiki (in Moodle) finde ich gut. Da kann man freier arbeiten und entscheiden, wann man es macht.”

    Und in der Tat stelle ich fest, dass durchaus einige Schüler sich zu später Stunde noch im Moodle herumtreiben und (gescheite) Beiträge in wikis und Foren erstellen. Hat eigentlich schonmal jemand über die “virtuelle Ganztagsschule” nachgedacht? Aber zumindest das “anytime” findet somit erste Bestätigung bei meinen Schülern – mal schauen, ob ich auch Rückmeldungen zu “anywhere” einfangen kann.

  2. “Das Lo-Net gefällt mir nicht so gut.”

    Mir auch nicht. Irgendwie ist es unübersichtlich.

  3. “Wir hatten mal Lo-Net im Latein-Unterricht. Nach einer Zeit hat da keiner mehr reingeschaut. Das wird Ihnen auch so gehen!”

    Das hat mich hieran erinnert (besonders an die im Post erwähnten Lehrerstatements und die abschließende Umfrage). Und es hat meinen Ehrgeiz, es besser hinzubekommen, geweckt.

Besonders bei meiner Mittelstufengruppe war ich heute sehr positiv überrascht, wie schnell und problemlos diese sich erstmals in Moodle bewegt haben. Bei anderen Gruppen kamen bei der obligatorischen Profilanmeldung beim ersten LogIn oft diverse Nachfragen oder Probleme zu Kleinigkeiten auf, die sich schnell klären ließen. In dieser Lerngruppe kamen allerdings keine derartigen Nachfragen. Auch das Auffinden des Kursraumes und die ersten Schritte darin verliefen zu 90% intuitiv und ohne die üblichen “Herr Scheppler, können/kommen Sie mal…”-Rufe.  Woran kann es liegen?

Zum Einen könnte man sagen, diese Lerngruppe ist einfach medienaffiner und -erfahrener.

Zum Anderen mögen wir Lehrer solche Aussagen aber nicht so gerne, vor allem da wir ja besonders in der Ausbildung zu permanenter Selbstreflexion trainiert werden. Außerdem haben wir es ja immer mit heterogenen Lerngruppen zu tun (inzwischen verpöhnte Standarderwähnung in Unterrichtsentwürfen). Was also habe ich verändert?: Meine Erklärungen! Bei den ersten Gruppen habe ich alles erklärt – wo muss man wann klicken, was passiert dann und wie sieht das aus, was bedeuten die anderen Funktionen und wie nutzt man sie, was darf man nicht und warum usw. Dieser Lerngruppe habe ich die Schnipsel mit ihren Usernamen und Kennwörtern in die Hand gedrückt, habe ihnen die Startseite an die Wand gebeamt (ist das das Verb für den Einsatz des Beamers?) und ihnen gesagt, sie sollen die Plattform selbstständig erkunden. Nach einer Viertelstunde habe ich dann das zur ersten Station gehörende Forum aufgerufen und eine 2minütige Kurzeinführung gegeben: Was ist ein Forum, wozu brauchen wir es hier. Und es lief…

Fazit:

  • Wer viel erklärt, kann viel verwirren.
  • Wer viel vorführt, kann viel (Entdeckergeist) einschränken.
  • Wer viele Probleme vermeiden will, kann viele (andere) neue schaffen.
  • Wer viel (in Schüler und ihre intrinsische Motivation/Neugier) vertraut, wird oft belohnt!

Dies ist natürlich keine didaktisch fundierte Feststellung und muss weiterhin beobachtet und verifiziert werden, bestätigt mich aber zu einem bedeutenden Teil in der im Blog schon öfters formulierten Behauptung, dass die Schüler aus ihrem Privatleben eine gehörige Portion Medienkenntnis (bewusst nicht -kompetenz) mitbringen, die in die Schule hineingeholt sehr effektiv auch für Unterricht sein kann.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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  1. 30. August 2008 um 07:45 | #1

    Danke für die Hinweise. Ich habe ja noch zwei Wochen Feien, will danach aber auch mit einigen Gruppen in Moodle einsteigen. Ich bin ein wenig skeptisch, Moodle gegenüber nur wenig mehr als anderen webgestützten Methoden. Die geschilderten Erfahrungen helfen mir sicher, auch die in dem verlinkten Beitrag.

  2. 03. September 2008 um 19:29 | #2
    Herr Kleinsteuber

    Moodle habe ich bisher nur allein in Weiterbildungen (auch online via Intervise)genutzt. Mich schreckte dann die Administration ab, denn hier in Thüringen wird dies nicht angeboten, sondern jeder muss es sich selbst “einrichten”. Bin deshalb zu Lo-Net2 gewechselt und nun arbeitet die ganze Schule damit – hat ein wenig sanfte Gewalt gekostet. Neue Funktionen (z.B. Lernplan, Blog,…) im Lo-Net2 machen es somit ähnlich wie Moodle. Sorry, wenn ich hier etwas am Thema vorbei-poste. :-)

    Ich denke – egal welche Plattform – soetwas bringt großen Gewinn (und viel Admin-Arbeit)und EINIGE Kollegen|innen und VIELE Schüler arbeiten am Anfang gerne damit. Man muß es dann nur kontinuierlich (“wohldosiert”) einsetzen und als selbstverständliches Arbeits-Kommunikations-Lern-und Lehrmittel nutzen. Je mehr Kollegen|innen da “mitziehen”, desto besser.

  3. 28. April 2009 um 15:19 | #3

    Danke für diese Bestätigung – das war mir auch schon diffus im Kopf herum gegangen, ohne dass ich es so auf den Punkt hätte bringen können.

  4. 28. April 2009 um 15:33 | #4

    Interessanter Bericht. Schonmal scholarz.net aus probiert? Information erfassen, strukturieren und organisieren.

    Als Einzel Person oder in der Gruppe. Daten und Wissen austauschen.

    Scholarz.net ist eine Web 2.0 Plattform des Forschungsprojektes der Uni Würzburg. Einfach anmelden und los geht’s.

    Sie können Projekte, Quellen und Gruppen Anlegen. Diese mit Daten füttern (Texte Links Dokumente Bilder ect..)Bearbeiten, Kommentare schreiben, Notizen mache und die Ergebnisse exportieren. Zb in Word oder als RFT. Möglichkeiten gibt es viele.

    Lehrer könne Arbeitsgruppen betreuen Hilfestellung und Kommentare zum Projekt der Schüler machen.

    Literatur Listen kann man auch Erstellen und er Formel Editor hilft bei Mathe. Das System ist Plattform unabhängig, dadurch kann jeder von jedem Internet PC auf seine Wissen zugreifen und daran Arbeiten. Zuhause, Unterwegs in der Schule. Und alles was man sich im lauf der Zeit an Wissen aufbaut kann man immer wieder nutzen. Zu Beispiel später im Studium oder im Beruf

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