Medienkindergarten

Kommentieren 27. August 2008

Medienerziehung und Mediendidaktik setzt inzwischen keineswegs erst in der Schule ein. In den vergangenen Tagen bin ich über mehrere Publikationen gestossen, die die Einführung neuer Medien bereits im Kindergarten propagieren und konkrete Hinweise geben.

Aus meiner Studienzeit, die auch an einer schweizer PH statt fand, an der Primarlehrer und Kindergärtner (meist-innen) ausgebildet wurden, erinnere ich mich noch, dass dies bereits vor ein paar Jahren dort ein aufkommendes Thema war. Und nicht nur in der Form, dass diese – zugegeben neue – PH technisch stellenweise besser ausgestattet war als meine Uni in Deutschland. Wir können uns also darauf gefasst machen, dass neue Medien in ihrer Verbreitung zunehmend populärer werden und auch bereits bei den Kleinsten Einzug erhalten. Dies führt automatisch dazu, dass wir an den Schulen auch zunehmend darauf achten müssen, unsere Schüler nicht wieder von dieser Lernwelt abzustöpseln – gewissermaßen den Stecker zu ziehen. Im Gegenteil: Wir werden uns darauf einstellen können, dass unsere Schüler mit einem derart profunden Grundkenntnisstand  an die weiterführenden Schulen kommen, der einen reinen Computerunterricht à la “Wie starte ich Word und erstelle mein erstes Dokument” relativ bedenkenlos beiseite lassen können.

Wenn Jugendliche durch Kindergarten und Grundschule ein technisches Know-How mitbringen, das erste Schritte im Umgang mit Computer und zukünftig sicher auch mit Web 2.0 (bzw. seinen Nachfolgern) einschließt, wird es in den höheren Klassen verstärkt darum gehen müssen, diese Fertigkeiten nahtlos und geräuschlos in den Regelunterricht der einzelnen Fächer zu inegrieren. Wenn ich mir ansehe, wie reibungslos und mit welcher Akzeptanz ich in den letzten Wochen den Computer und das Web 2.0 in meinen Deutschunterricht holen konnte, bin ich zunehmend überzeugt, dass dies auch in anderen Fächern gelingen kann und wir kaum noch einem Jugendlichen einfache Grundlagen sondern vielmehr einen adäquaten Umgang mit und ein verantwortliches Verhalten in neuen Medien beibringen müssen.

Ich gehe sogar noch weiter und denke nicht nur an durch den Lehrer angeleitete Medienkompetenzentwicklung, sondern bin zunehmend davon überzeugt, dass es möglich sein wird, besonders erfahrene “Computerkinder” bzw. in kleineren Mentorgruppen “ausgebildete” Kinder als Medienexperten für ihre Mitschüler zu stärken. Denn jeder, der bereits versucht hat, sich Dinge am Rechner erklären zu lassen, wird festgestellt haben, wie abrupt und gnadenlos an manchen Stellen die Generationengrenzen verlaufen. Wer Jugendliche aber wieder in die Rolle des Vermittlers von Kenntnissen und Fertigkeiten bringt, schult Medienkompetenz gewissermaßen doppelt. Ich denke, dass Kindergarten und Grundschule inzwischen so gute Vorarbeit leisten (können), dass derartige Szenarien bald ohne exorbitanten Aufwand denkbar sein sollten. Das Web 2.0 kann an dieser Stelle sicher Vorbild und nutzbares Medium zugleich sein.

Zwei der zu Beginn angesprochenen Titel für den Kindergarten und sicher auch für die Grundschule sind:

Pixel, Zoom und Mikrofon

Medienbildung in der Kita

Ein medienpraktisches Handbuch für Erzieher/-innen

von Sabine Eder, Christiane Orywal und Susanne Roboom

Fernseher, Radio, Musikanlage, Computer und Handy sind in fast jedem Haushalt verfügbar und immer mehr Kinder besitzen immer früher eigene Geräte.

Deshalb sollte eine systematische Medienerziehung nicht erst mit der Einschulung beginnen, sie muss sinnvoller Weise schon im Kindergarten ansetzen, da bereits in diesem Alter die Grundlagen für Art und Intensität der Mediennutzung gelegt werden.

Um Erzieherinnen und Erzieher dabei zu unterstützen, hat die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) in Zusammenarbeit mit dem Verein Blickwechsel e.V. dieses Handbuch für die medien-pädagogische Praxis vorgelegt. Es beinhaltet eine Sammlung von Projekten und Übungen, mit denen medienpädagogische Arbeit in Kindertagesstätten ermöglicht wird.

Die Autorinnen und Autoren besitzen umfangreiche Erfahrungen und medienpädagogische Kompetenz bezogen auf ausgewogene, altersgerechte Konzepte einer Medienbildung für den Vorschul- und Grundschulbereich und genießen bundesweit große Anerkennung.

Pixel, Zoom und Mikrofon ist ein nützliches Handbuch das hilft, Medienarbeit stärker in den Alltag der Kindertagesstätte zu integrieren und das Erzieher/-innen eine Vielzahl wertvoller Anregungen und Beispiele für die Medienpraxis vermittelt.

http://www.vistas.de/vistas/schriftenreihen_detail/Pixel,_Zoom_und_Mikrofon_Medienbildung_in_der_Kita/414/detail.html

und…

MedienKindergarten

Überlegungen zur Integration medienpädagogischer Arbeit im Kindergartenalltag

von Elisabeth Schallhart

Kinder nutzen und besitzen Medien in großer Vielzahl und wachsen mit medialen Erfahrungen auf. Diese Allgegenwärtigkeit von Medien in kindlichen Lebenswelten erfordert die Förderung von Medienkompetenz schon in jungen Jahren. Der Kindergarten als Bildungsinstitution steht nun vor der Herausforderung, die Kinder im Umgang mit Medien zu stärken und so eine Basis der Medienkompetenzförderung auszubilden.

Das Buch Medien kindergarten beschäftigt sich mit der Frage, welche vielschichtigen Ansprüche sich hinter dem Begriff Medienkompetenz  speziell für den Elementarbereich verbergen. Aufbauend darauf behandelt es die notwendigen Voraussetzungen für die medienpädagogische Arbeit im Kindergarten, um Kinder in der Förderung ihrer Medienkompetenz zu unterstützen. Die Durchführung und Analyse eines einfachen Medienprojekts gibt Aufschluss darüber, ob und wie Veränderungsprozesse im Praxisverhalten von Kindergartenpädagog/innen in Gang gesetzt werden können unter Berücksichtigung gegebener Rahmenbedingungen.

Dieses Buch richtet sich an Kindergartenpädagog/innen und Multiplikator/innen der Medienpädagogik, die ein Basiswissen über die aktive Medienarbeit im Kindergarten aufbauen möchten.

http://medienpaedagogik.kaywa.com/p587.html

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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