Lo-net2 – das Video

Kommentieren 25. August 2008

Eine Schülergruppe der Drais-Realschule Karlsruhe hat ein Video über den Gebrauch von lo-net2 an ihrer Schule erstellt. Ein interessantes Dokument, das ein paar Lehrer zu Wort kommen lässt. Leider werden die Schüler nur in Form einer Umfrage befragt. Besonders amüsant sind aber die Umfragen zu Beginn.

Gefunden bei und zitiert von lehrer-online.de:

Die Tatsache, dass sich Schüler derart intensiv mit der für sie bereit gestellten Plattform auseinander setzen, ist ein sehr erfreuliches Phänomen. Und wenn dabei noch ein so gelungener Beitrag entsteht, zeigt sich, dass diese Schüler offenbar eine gehörige Portion Medienkompetenz besitzen.

Etwas erschreckend hingegen fand ich die Ratlosigkeit der lehrer auf die sehr gute und berechtigte Nachfrage, wie denn die Attraktivität bei den vielen Schülern gesteigert werden kann, die lo-net2 wohl nur als getarntes Lehrerwerkzeug für Arbeitsaufträge sehen. Das selbst bei solchen Tools zur Zensuren- und Benotungskeule gegriffen wird, finde ich dann doch etwas abschreckend. Ich kann den Kollegen aber auch gut verstehen, denn derzeit ist der Stand noch relativ schwer, eine solche Lernplattform zu etablieren.

Ich bin derzeit dabei, diese Situation zu evaluieren. Dazu befrage ich die Eltern meiner Lerngruppe, bemesse die technische Ausstattung und werde nach einigen Erfahrungen auch die Schüler befragen. In meinem Fall ist es zwar Moodle, aber besonders der zweite Punkt ist sicher ein Knackpunkt. Denn ich kann derzeit nicht jedem Schüler einen eigenen Computer für die Nutzung im Unterricht anbieten, sondern es müssen sich mehrere eine Maschine teilen, was zu diversen Störfällen führt, was jeder nachvollziehen kann, der sich bereits einmal eine Tastatur mit mehreren Nutzern teilen musste.

Nachdem ich nun diverse Tools innerhalb von Moodle zum Einsatz gebracht habe, kann ich aber bereits ein “gefühltes Ergebnis” abgeben: Je freier die Schüler agieren können, desto motivierter arbeiten sie. So ist mir dies aufgegangen, als ich zum Einen ein Forum mit einer sehr gelenkten Eingangsfrage an die Lerngruppe übergeben habe und ein paar Stunden später in offenes Wiki, in dem ich nur ein paar zu erläuternde Fachbegriffe vorgegeben habe. Während das Forum recht träge lief und der Kurschat schnell zu einer beliebten Ablenkung wurde, wurde das Wiki in einem atemberaubenden Tempo gefüllt. Nicht immer ganz korrekt, aber der Chat lag regelrecht brach (und das ohne eine einzige Ermahnung meinerseits, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren). Hinzu kam, dass die Schüler die Fachbegriffe gut für einen anstehenden Ausflug in der nächsten Doppelstunde gebrauchen können. Die freie Form des Wikis hat in meinen Augen sehr motivierend gewirkt.

Insgesamt glaube ich nach diesen gezielten Beobachtungen, dass freie Aufgabenstellungen hier zu größerer Akzeptanz führen als enge Aufgabenstellungen bzw. reine Materialbörsen. Ich werde diesen Aspekt noch genauer im Rahmen meiner Examensarbeit untersuchen und gezielter beobachten können.

Der ebenfalls im Film angesprochenen Punkte, dass die Schüler die Plattform kaum nutzen (wobei ich rauszuhören glaube, dass der Film sich hier vor allem auf außerunterrichtliche Szenarien bezieht), die Lehrer beobachten, dass Schüler den Computer oft als reines Spielzeug betrachten, sowie die in den Umfragen zu Tage tretenden Schülermeinungen weisen für mich ganz deutlich auf die Kluft zwischen Lern- und Lebenswelten der Schüler hin. Hier erkenne ich das größte Potential von Mash-Up-Plattformen, die es erlauben, die Bereiche der Lebenswelten der Schüler zu integrieren und somit Lernszenarien in und mit Tools erlauben, die Schüler auch privat nutzen können (MySpace, SchuelerVZ, Twitter, Youtube, Blogs usw.). Ich habe vor, auch auf diesen Aspekt während meines Examensprojekts zu achten. Aufgrund technischer Voraussetzungen werde ich exemplarisch YouTube als klassisches Web 2.0-Tool einbinden, um zu sehen, wie die Schüler auf diesen Transfer eines für sie im Lernkontext wohl eher weniger erwarteten Tools reagieren.

Lo-net2 zeigt hier deutliche Schwächen, da sich die Plattform sehr wenig diesem Mash-Up-Gedanken öffnet und sich recht starr auf die eigenen Tools konzentriert. Dadurch entsteht ein statischer Raum, der wenig flexibel wirkt. Man kann zwar einige Türen öffnen, aber so richtig raus kommen tut man nicht. Das wird besonders bei der Vorstellung der einzelnen Komponenten im Video deutlich. Doch auch die übrigen Plattformen haben in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf, wie bereits in einem vorherigen Post zu Blackboard beschrieben.

Meine kleinen Umfragen bei den Eltern meiner Lerngruppen ergab bisher, dass die Schüler zu nahezu 100% zuhause die Möglichkeit der Internetnutzung besitzen. In beachtlich vielen Fällen (genaue Zahlen liegen noch nicht vor) handelt es sich dabei zudem um eine schnelle dsl-Verbindung, so dass es in meiner derzeitigen Situation sehr gut möglich sein sollte, zu beginnen, die Kluft zwischen den Lern- und Lebensräumen der Schüler zu schließen und damit auch die Akzeptanz für virtuelles Arbeiten zu stärken. Denn erst, wenn ich einen Mehrwert in einem Werkzeug erkenne, werde ich auch bereit sein, es zu nutzen.

Viele Lernplattformen – und bei lo-net2 zeichnet sich bei mir dieses Bild besonders stark – werden noch zu sehr aus der Sicht und entlang der Interessen von Lehrern entwickelt. Dies zeigt auch deutlich das Nutzungskonzept von lo-net2:

Auf lo-net² werden Schulen und Studienseminare als Institution abgebildet. Jede Institution kann mit einer individuellen Einstellung der Funktionen ihren Raum gestalten. Daher braucht jede Institution ein Konzept, welches idealerweise in ihr allgemeines Medienkonzept eingebunden ist.

http://www.lo-net2.de/ww3ee/2128168.php?sid=77072835379287608221951435144850

Die Plattform wird rein von der Institution her gedacht und das merken Schüler sehr schnell. Man muss sich dazu nur die atemberaubende Akzeptanz von Räumen wie SchuelerVZ, MySpace & Co ansehen. Und hier abzuwinken und auf den inhaltlichen Unterschied zu verweisen, greift einfach zu kurz. Ich bin überzeugt, dass die Umdrehung des Nutzungskonzepts hin zum Lerner statt zum Lehrenden dem Phänomen der Akzeptanz sehr zuträglich sein kann. Diese Erfahrungen hat man auch bereits an der University Cincinnati gemacht.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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