eeePC – Technik für Schüler?

Kommentieren 19. August 2008

Lange habe ich mich gescheut und zurück gehalten. Doch geliebäugelt habe ich schon länger mit einem… Mini-Laptop.

Seit einiger Zeit machen diese Winzlinge den Markt unsicher und das zu immer sagenhafteren Preisen. Klein, kompakt aber dennoch mit einer Technik an Bord, die flüssiges Arbeiten verspricht. Und nachdem der Dollarkurs mal wieder im freien Fall war, habe ich nun zugeschlagen und mein Gerät am Wochenende erhalten: ein kleiner eeePC 900.

Ich werde im Folgenden versuchen, meinen ersten Eindruck kombiniert mit einer Einschätzung für den Schulbereich abzugeben. Dass dies sehr subjektiv sein wird, schicke ich sicherhaltshalber vorweg, denn hierbei handelt es sich ja nicht um einen Technikblog, bei dem es um technische Fakten geht, sondern hier sind Einschätzungen und Meinungen gefragt. Zudem gehe ich an dieser Stelle von meinem eeePC aus, es gibt aber natürlich diverse andere Hersteller mit ähnlichen Geräten – und teilweise auch leistungsstärkerer Ausstattung. Gemeint sind diese im Folgenden ebenso – es geht um die Art der Gerätschaft im Allgemeinen:

  • klein: Klein ist er – sogar sehr klein. So klein, dass man schon fast geneigt ist, “süß” zu sagen. Aber sogar so klein, dass er heute problemlos in meine obligatorisch überfüllte Schultasche gepasst hat. Er ist damit kaum größer als ein Schulbuch und ist damit voll schultauglich. Einem Schüler das Herumschleppen eines 15 Zoll und größeren Laptops zuzumuten, halte ich für nicht praktikabel. für solche Gerätschaften braucht es einen Lagerplatz in der Schule. Doch wie dann damit zuhause arbeiten? Nun könnten Google Docs & Co zumindest die virtuelle Dateiablage liefern, die für eine Hardwarelagerung in der Schule sprechen würde. Doch spätestens wenn man intensiver arbeitet, wird man mit solchen Lösungen an seine Grenzen stoßen. Ein 9-10 Zoll großes Gerät ist da sehr viel flexibler.
  • kräftig: Auch kräftig ist der Kleine. Will heißen, die verbaute Technik lässt einen in der tat flüssig arbeiten. Dabei beziehe ich mich auf einfache Tätigkeiten wie Internetnutzung, Text-/Tabellenverarbeitung und einfache Programmnutzungen. Wer von einem aktuellen Rechner kommt, wird rasch merken, dass eeePC & Co bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer leistungsintensiver Prozesse schnell an ihre Grenzen kommen, doch die alltägliche Arbeit ist problemlos erledigt. Ich würde es mit einem Arbeitsverhalten eines 5 Jahre alten Rechners vergleichen wollen. Für die Schule ist diese Leistung mehr als ausreichend. Wenn ich mir die Rechner in manch schulischen Computerraum anschaue, müssen sich die Schüler derzeit mit durchaus leistungsschwächeren Geräten zufrieden geben.
  • Ausstattung: Die Ausstattung kann als komplett bezeichnet werden, wenn man von dem größenbedingt fehlenden CD-Laufwerken absieht. Einzige Alternative sind hier Speicherkarten- und USB-Plätze. Integriertes WLAN macht das gerät aber wieder sehr flexibel. Etwas Kopfzerbrechen hat mir allerdings das Betriebssystem gemacht. Die mitgelieferte Linuxversion wird durch eine stark vereinfachte Bedienoberfläche ausgebremst. Diese erlaubt einem wirklich nur rudimentärste Tätigkeiten wie Internetsurfen, Musikhören und online-Textverarbeitung via Google. Dahinter verbirgt sich zwar ein vollwertiges Linux, welches man auch durchaus direkt booten lassen kann. Ich habe mich aber zur Installation von Windows “überreden” lassen und habe ein Windows XP aufgespielt, welches auch läuft und trotz des kleinen Monitors gut bedienbar ist. Allerdings habe ich damit die tollen Bootzeiten des Linux verloren und auch ansonsten hat die flüssige Performance deutlich nachgelassen.

Betrachte ich das Gerät nun hinsichtlich seines Einsatzes in der schule, würde ich dieser Art Gräte durchaus eine Chance geben. Der Preis ist inzwischen so gering, dass ein Referendar sich eine solche Anschaffung erlauben kann. Die Ausstattung und Arbeitsleistung ist so zufriedenstellend, dass man alle schulischen Hürden meistern sollte. Sogar Podcast und Video-Podcasts sind problemlos möglich – beim Schneiden größerer Dateien sollte man aber etwas Geduld mitbringen und der ein oder anderen “Denkpause” des Geräts rechnen. Kleine Projekte sollten aber gut möglich sein. Ich denke, wenn zum derzeitigen Preis noch eine Art Förderprogramm bzw. Rabattierung durch Sammelbestellung hinzukommt, bewegen wir uns langsam in Regionen, wo es zumindest denkbar sein sollte 3-4 solcher Geräte pro Klassenraum einzusetzen.

Ich halte derartige Geräte für den Schuleinsatz für geeigneter als, die großen Laptops. Große Monitore, die die Kinder dahinter komplett verschlucken und ihnen zudem auf ihren eh schon engen Arbeitsplätzen auch noch den Großteil ihres Raumes nehmen, können höchstens vereinzelt oder in räumlich auch darauf abgestimmten Laptopklassen eingesetzt werden. Haben wir aber entsprechend unseres Blogtitels “Visionen leben” die Schule der Zukunft im Auge, ist ein ausreichend leistungsfähiges Gerät, welches auch problemlos zur Seite gestellt oder einfach zugeklappt werden und in der Schultasche verschwinden kann sinnvoller und realistischer. Dies würde auch den selbstverständlichen und spontaneren Umgang ermöglichen, wärend das Einschalten und Verwenden eines großen Geräts doch ganz automatisch den Moment des Besonderen und die Arbeitsstruktur durchbrechende Wirkung mitbringt, was ich immer wieder merke, wenn ich Jugendliche in schulischen Computerräumen erlebe – das große Ding frisst automatisch durch seine mächtige Präsenz Aufmerksamkeit. Denn zuklappen und in die Ablage unterm Tisch schieben oder in die Schultasche stecken und 10 Minuten später wieder aufklappen kann man diese “Apparate” nicht. Den Computer aufschlagen wie ein Schulbuch und ebenso wieder beiseite legen und anderweitig weiterarbeiten wird vor allem durch die Kompaktheit derartiger Arbeitsgeräte zunehmend weniger utopisch.

Am meisten überzeugt daher schlicht und einfach die Größe zusammen mit der technischen Komplettausstattung (WLAN, Kamera, Mikrofon). Ebenso das Gewicht von knapp einem Kilogramm nähert sich Regionen, die zunehmend akzeptabler werden. Ein vollwertiges, technisches Gerät mit den Grundleistungen eines soliden Computers, das kaum größer und schwerer ist als ein Biobuch, lässt in beachtlichen Tempo die bisherigen K.O-Kriterien gegen Laptops in Schulklassen hinter sich. Einen schulweiten oder gar flächendeckenden Einsatz halte ich noch für nicht realisierbar, aber es zeigt sich deutlich, dass es nicht mehr allzu lange dauern kann, bis wir die Möglichkeiten einer technischen Ausstattung haben, die es erlaubt, Schule und vor allem die einzelnen Klassenräume aus ihrer Technikabstinenz zu führen.

Ich möchte dieses Post also keineswegs als Aufruf zur Anschaffung derartiger Mini-Laptops verstanden wissen, sondern vielmehr als ersten Erfahrungsbericht, der mich gelehrt hat, dass es für Schule langsam aber sicher immer schwieriger werden wird, sich gegen den Einzug von derartigen, technischen Geräten zu wehren, da einfach zusehens viele der noch vor wenigen Jahren zu Recht ins Feld geführten Argumente (Preis, Größe, Gewicht, Leistung zum normalen Arbeiten) bröckeln. Irgendwo zwischen iPhone und eeePC werden wir uns wohl in 5-10 Jahren wiederfinden und dann wohl auch mit Schülern, die wir nur noch – wie derzeit beim Handy – mit platten Verboten von der Nutzung ihrer minicomputerartigen Geräte in der Schule abhalten können, die sie dann aber wahrscheinlich zunehmend in privater Nutzung  haben werden (spätestens wenn der Preis auf Handyniveau gefallen sein wird). Wir sollten uns also langsam anfangen Gedanken zu machen, ob wir dann ähnlich wie bei den Mobiltelefonen verfahren wollen oder lieber die Zeit bis dahin nutzen, uns vernünftige didaktische und pädagogische Szenarien für eine Integrierung zu überlegen. Denn spätestens seit diesem Wochenende ist mir klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist (und ich diese Zeit als Lehrer ganz sicher noch erleben werde), bis die ersten Schüler einen kleinen Computer aus ihrer Schultasche ziehen.

Dieses (bewusst subjektive und leicht provokante) Post wurde erstellt von René Scheppler.

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