Kann Twitter im Bildungsbereich genutzt werden?

Kommentieren 18. August 2008

Ich muss zugeben, dass mir Twitter keine Ruhe lässt. Weniger, was deren generelle Funktion oder Nutzen angeht, sondern vielmehr der Gedanke, ob und wie sich dieses neuartige Kommunikationstool in Unterricht und Bildung nutzen lässt. Dies war bereits Thema im Blog, so dass ich nicht mehr allzuweit ausholen möchte.

Doch ein recht neuer Aufsatz mit dem Titel “Can we use Twitter for educational activities?” liefert einige interessante Anregungen aber auch Warnungen. Besonders ab Seite 6 wird auf den konkreten Mehr- oder Minderwert für Unterricht eingegangen:

Die dort gezeichnete Vision von Terry Friedman finde ich besonders spannend:

“Imagine a 20 minute lecture where all your students back channel about what you’re saying. Outside guests or experts are invited in. Someone acts as a “rudder” to keep the conversation on track. The discussion is displayed on a SMARTboard or with a projector. The chatcast is immediately dumped into a wiki. The rest of the class is devoted to reorganizing the wiki clarifying what was said, answering questions (student to student as well as teacher to student; and don’t forget the people, students, teachers, mentors or parents beyond the glass walls of the room) summarizing the big ideas, reframing the discussion in terms of what needs to be explained again and where we’re going next. Imagine the possibilities …”

Denn dies bringt in der Tat einen neuen Aspekt in die Betrachtung von Twitter. Im Artikel und im Blog haben wir ja bereits diverse Möglichkeiten – oder sagen wir besser Ideen – für die Implementierung von Twitter in den Unterricht zusammengetragen. Im Groben und Ganzen zielen diese Ansätze doch alle auf die schnelle und auch flüchtige Kommunikation in Twitter. Dies erlaubt neue Formen des Brainstormings, der Einbindung externer Personen/Experten oder den schnellen, außerunterrichtlichen Austausch. Doch das obige Zitat bringt einen für mich nicht unbedeutenden Aspekt hinzu: den der Fixierung und Aufbereitung eines Twitter-Casts.

Die Idee, den Twitter-Verlauf live zu projizieren ist ein interessanter Einwand gegenüber der wohl schnell zu erwartenden Kritik, dass die Schüler nur noch auf ihre Computer starren. Durch die Projektion wird ein weiterer Präsenzraum eröffnet, aus dem sich die Schüler nur spontan ausklinken, um einen kurzen Beitrag zu leisten.

Wertvoller finde ich aber den Vorschlag der Verbindung von Twitter mit anderen Web 2.0-Diensten – hier das Wiki. In dem Moment, wo ich den Twitterverlauf fixiere, in ein Wiki überführe und zur Aufbereitung zur Verfügung stelle, verliert Twitter den Anschein einer flüchtigen Spielerei und kann in der Tat weiter genutzt werden. Dies kann sowohl für synchrone Twitter-Chats innerhalb einer Unterrichtsstunde aber auch für asynchrone Chats über mehrere Tage/Wochen denkbar sein. Der Mehrwert besteht dann darin, dass Schüler zwar weiterhin bzw. wie gewünscht ad hoc und ungefiltert Beiträge liefern und spontan auf andere Mitschüler reagieren, aber danach eine Phase der Reflexion einsetzt, indem die Beiträge selektiert, überarbeitet und sortiert werden können. In der bereits vorgestellten Ausgabe der Zeitschrift LogIn schreibt Christian Kohls davon, dass es unter anderem sinnvoll sei, für ein Wiki eine – wie er es nennt – “Saat zu setzen”. Darunter versteht er, den Schüler nicht ein vollkommen leeres Wiki zu präsentieren, sondern dies durch den Lehrer bereits etwas zu fühlen (womöglich auch mit zu editierenden Fehlinformationen), um die Angst vorm weißen Wiki (vgl. Blatt) zu minimieren. So ein ins Wiki überführter Twitter-Cast könnte diese Funktion übernehmen und währe zugleich ein Schülerprodukt mit den entsprechenden Aspekten der Akzeptanz.

Ich habe dies noch nicht gänzlich zu Ende gedacht, halte es aber für durchaus überlegenswert. Leider ist es mir spontan auch nicht gelungen, ein brauchbares Tool aufzutreiben, welches diese automatisierte Schnittstelle zwischen Twitter und einem Wiki bilden könnte. Falls ich es übersehen habe, würde ich mich über Kommentare freuen. Natürlich auch zu der Idee, Twitters Mehrwert zu steigern, indem man es mit anderen Web 2.0-Diensten fusioniert.

Bei der weiteren Suche bin ich aber eben auf ein Video gestoßen, das einen Denkanstoß für die zweite im obigen Zitat angedeutete, wichtige Funktion für Twitter im Unterricht bilden kann: das “going beyond the walls (of the classroom)”:

Hier der dazugehörige Artikel bei chronicle.com.

Ich bin gespannt, ob und wie derartige Kommunikationstools wie Twitter es in den Unterricht schaffen werden. Es wird bestimmt noch das eine oder andere Post zum Thema folgen…

weitere Links gefunden via elearning2null.de:

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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