Spotten, Schimpfen, Schlagen …

Kommentieren 15. August 2008

Einem recht jungem Thema, welches auch bereits in diesem Blog angedeutet wurde, hat sich Julia Riebel in ihrer jüngst erschienenen Publikation “Spotten, Schimpfen, Schlagen … Gewalt unter Schülern – Bullying und Cyberbullying” gewidmet.

Sie untersucht besonders Mobbing mit und über neue Medien, was insgesamt ein bis dato wenig untersuchtes Phänomen ist, aber offenbar bereits eine nicht unbedeutende Verbreitung findet. In der Einleitung heißt es dazu:

Cyberbullying ist eine neuartige Erscheinung, die bisher kaum untersucht wurde. Smith (2006) definiert in einer der ersten Untersuchungen Cyberbullying als „[…] an aggressive, intentional act carried out by a group or individual, using electronic forms of contact repeatedly and over time against a victim who can not easily defend him or herself.“

Der Unterschied zu traditionellem Bullying besteht dieser Definition zufolge lediglich darin, dass die Angriffe über neue Medien erfolgen. Dies heißt jedoch nicht, dass keine weiteren Unterschiede zwischen Cyberbullying und traditionellem Bullying bestehen. Bei der näheren Betrachtung des neuen Phänomens tun sich Fragen auf wie:

Sind Personen die über neue Medien als Täter oder Opfer fungieren die gleichen wie diejenigen, die im richtigen Leben diese Rollen einnehmen? Oder haben Cybertäter und Cyberopfer ganz andere typische Eigenschaften? Bestehen bei Cyberbullying die gleichen Alters- und Geschlechtsunterschiede wie bei traditionellem Bullying?

Außerdem stellt sich die Frage, inwieweit ein Phänomen, über das bisher nur in den Medien und aus anderen Ländern berichtet wurde, in Deutschland überhaupt vorkommt.

Ich halte dies für eine sehr bedeutende Fragen, die es im Auge zu behalten heißt, besonders, wenn man – wie wir in diesem Blog – für die aktive Verbreitung von neuen Medien im Unterricht eintritt. Natürlich bietet jedes Medium auch neue oder spezifische Formen des Missbrauchs, doch besteht gerade hinsichtlich der neuen Medien seitens der Schule auch aufgrund der Neuheit und aufkommenden Verbreitung die einzigartige Möglichkeit, sich direkt in diesen Sozialisationsprozess pädagogisch einzuklinken.

In der Studie wurden annähernd 1000 deutsche Schüler befragt. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass man es beim Cybermobbing offenbar nicht mit einem neuen Täterkreis zu tun hat, sondern zu 84% diejenigen, die auch in der “realen” Welt die Täterschaft ausmachen, im virtuellen Raum zur Gruppe der Aggressoren gehören.

Cyberbullying ist offenbar eine von mehreren “Waffen” von Schülern, die es darauf anlegen, Mitschüler zu schikanieren, beleidigen oder gar zu quälen. Auf der anderen Seite werden neue Medien genutzt, um sich möglichst effektiv für erlittenes “Unrecht” zu rächen. Bemerkenswert ist dabei, dass mehr als 50% der virtuellen Täter zugleich zum Opferkreis im “realen” Leben zu zählen sind.

Erschienen ist die Studie von Julia Riebel vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung im Verlag Empirische Pädagogik. Einen Einblick ins Inhaltsverzeichnis gewährt dieses PDF-Dokument.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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