Macht das Internet doof?
Antwort: Jein!
Die aktuelle Spiegel-Ausgabe steht unter dem Titel “Macht Internet doof?” und macht natürlich auch keinen Halt vor der Schule. Der Leitartikel soll an dieser Stelle nicht analysiert werden, sondern vielmehr der kleinere Artikel zur Titelstory unter der Überschrift “Abschreiben 2.0″ von Julia Bonstein.
Der Titel lässt Böses vermuten und nach den ersten Zeilen dachte ich auch “Super! Mal wieder kurzsichtig auf die armen Schüler eingedroschen!”. Doch dann dreht sich der Artikel und lässt ab von der Vorstellung von Plagiatsoftware, die inzwischen angeblich tausendfach an deutsche Schulen verkauft wird, um “Plagiatoren” zu entlarven. Mediendidaktik at it’s best!
Doch dass dies nicht die Lösung des Problems sein kann, ist zum Glück auch Julia Bonstein bewusst, so dass sie ein wenig auch gezielter auf die schulische Situation eingeht. Hier ein paar Zitate, die ich für sehr sinnvoll halte:
„Richtig angewandt, ist das Internet für Schüler ein tolles Hilfsmittel.“ Methoden zur sinnvollen Recherche müssten dabei von den Lehrern im Unterricht beigebracht werden.
[...]
Bei aller Technikbegeisterung der Jugendlichen steht nämlich fest: Der kompetente Umgang mit dem Medium Internet muss erst erlernt werden. „Je klüger ein Kind schon ist, desto mehr kann es auch vom Internet profitieren“, sagt Helga Theunert, Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in München.
Dennoch hinterlässt der Artikel bei mir einen faden Beigeschmack. So richtig werden die Schüler nicht aus der Ecke der wahllosen, mediengeilen und entertainementsüchtigen Kids herausgelassen. Dazu tragen sicher auch Sätze wie diese bei:
„Ich bin ja schon froh, wenn die Schüler im Internet überhaupt nach Hausaufgaben suchen“, sagt Studienrat Hofheinz aus Köln.
[...]
Mit einer speziellen Software, „Plagiarism Finder“ genannt, überprüft er Abschlussarbeiten daraufhin, ob Passagen aus dem Internet abgekupfert sind: „Die Software ist unser Raketenabwehrschild“, sagt Schuhbeck.
Wer Raketenabwehrschilde gegen seine Lerner ins Feld führt, braucht sich wohl kaum zu wundern, wenn er auch beschossen wird. Im gegenseitigen Wettrüsten kann und darf nicht die Zukunft der Mediendidaktik liegen. Neues zu verteufeln und sich mit vielfältigen Waffen dagegen zu wappnen, nutzt keinem etwas. Ich glaube, dass derartige Softwareprodukte schon fast dazu herausfordern, sie auszutricksen bzw. zu unterlaufen. Damit wird dann zwar indirekt auch eine Form von Medienkompetenz vermittelt – nur ist dies wohl nicht die erwünschte (vgl. dazu das nächste Post zur Medienkompetenz).
Ich hoffe, unser Blog kann einen kleinen Beitrag leisten, zu zeigen, dass ein moderater, gezielter und durchdachter Umgang mit neuen Medien – ohne Angst vor Neuem – einen für die Schüler hilfreichen Weg darstellt, sich in der durch Internet & Co zunehmend dominierten Medienwelt zurechtzufinden. Und auch die restliche Titelstory des Spiegel ist durchaus einen Blick wert, denn natürlich spielt das Internet nicht nur in Schulen eine neue, zunehmend veränderte Rolle.
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.
Hallo René. Danke für den Hinweis, dass sich der Artikel ja scheinbar doch zum Lesen lohnt
Ich kann mich gut an eine Diskussion mit unserem hiesigen Didaktik Prof. erinnern, über die Militarisierung der Sprache des Schulalltags. Man redet unverholen von Strategien. Und ich muss Dir mit Recht beipflichten, dass doch in erster Linie der Umgang und vielleicht entfaltung von Potential Anstelle Abwehr etc. Abschließend in Form eines Apells: Liebe Lehrerinnen und Lehrer, bedenken Sie das Potential für universitären Alltag, wenn Schülerinnen und Schüler Quellen des Internet – gelernt ordentlich zitiert und distanziert eingebracht – bereits im Schulumfeld kennen, schätzen und beherrschen gelernt haben.
In dem Sinn bis denne und danke für den Post
Andreas Auwärter
Sehr provokant (aber gut) geschrieben! Man könnte es denken, doch darf man dabei auch nicht die Möglichkeiten der Weiterbildung vergessen! Wenn man es aber nur für soziale Kontakte nutzt, kommt der Anschein sehr schnell auf.