Web 2.0 is the future of education

Kommentieren 29. July 2008

Auf der Konferenz “Learning in a changing world – Web 2.0 and beyond” (dort finden sich auch weitere gute Vorträge) hat Steve Hargadon eine sehr gelungene Präsentation mit dem Titel “Web 2.0 is the future of education” gehalten.

Für ihn steht fest:

The Internet is becoming a platform of unparalled creativity.

In seinem Vortrag formuliert er “Ten trends that will have a profount impact on education”:

1. A new publishing revolution

2. A tidal wave of information

3. A culture of openness

4. A culture of participation

5. The age of collaborator

6. An explotion of innovation

7. The world is getting flatter & faster

8. The long tail

9. Social learning moves toward center stage

10.Social Networking

Ich habe diesen Vortrag gerne verfolgt, da er zu denjenigen gehört, denen es gelingt, einen großen Bogen zu schlagen und viele wichtige Aspekte zu bündeln. Ich bekomme immer viele Ideen, wenn viele Bereiche zusammenkommen und es leichter wird, Zusammenhänge zu erkennen aber auch zu knüpfen.

Hargadon macht in seinem 2. Punkt eine fundamental wichtige Feststellung, wenn er herausstreicht, wie wichtig es ist, dass wir dem “overload of information” begegnen müssen. Doch nicht diese schlichte Feststellung sondern die sich daraus ergebene Konsequenz, dass Schüler lernen müssen, wie dieser Content entsteht, ist das wichtige. Die Tatsache, dass Inhalte immer freier und einfacher zu erstellen sind (darauf geht er im Vortrag noch spezieller ein), erfordert, dass Schüler lernen, wie dieser entsteht, um sachgerecht damit umgehen zu können. Nur derjenige, der verstanden hat, wie Inhalte in einer sich wandelnden Medienwelt entstehen, wird sich damit auseinandersetzen können, ohne sich von der Masse erschlagen zu fühlen.

Für Hargadon findet derzeit ein Wandel von “authority to transperency” statt. Und dies ist die Aufgabe von Schule, die Schüler auf diese Tatsache vorzubereiten. Ich frage mich immer, ob wir das damit erreichen, wenn wir Webseiten wie Wikipedia verbieten, oder gar – wie ich auf unserem Workshop gelernt habe – sogar durch den Schulträger komplett sperren lassen. Wer Schülern den Zugang zu den Protagonisten eines sich wandelnden Informationszeitalters verwehrt, verwehrt ihnen Teilhabe an Zukunft und schlimmer noch die Entwicklung von Fähigkeiten, sich in dieser Informationszukunft zu bewegen.

Hargadon formuliert in seinem 5. Punkt sein “web 2.0 law”:

The wisdom of the group replaces the expert.

Und dies ist es, worauf Schüler vorbereitet werden müssen. Denn – wie Hargadon formuliert “our world will work on combining forces” und die grenzen zwischen Amateuren und Professionellen wird zunehmend durchlässiger. Unsere Schüler müssen in der Lage sein, daran teilzuhaben.

Und daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz, die eine besondere Herausforderung für Schule darstellen wird: Lernen findet bereits jetzt – und sicher schon immer, aber durch neue Medien zunehmend und verstärkt – außerhalb der Schule statt. Man braucht sich nur die Abiturvorbereitung von Abschlussschülern vor 20 Jahren und heute anzusehen, um zu sehen, dass Lernen den Raum der Schule zunehmend verlässt. Wenn ich mir anschaue, welchen Anteil meine Schule und Studienseminar an meiner Entwicklung als Lehrer und an meiner Wahrnehmung von Bildung als Referendar hat, wird man einsehen müssen, dass seitens des Staates Bildung zunehmend weniger absolut oder monopolisiert betrachtet werden kann. Und spätestens dann, wenn wir erkennen, dass Lernen und Leben wieder enger zusammengehen und Lernen kein alleine oder hauptsächlich an die Schule gebundenes Phänomen ist, wird man den Wert erkennen, der darin liegt, Schülern die Teilhabe am Konsumieren, Kollaborieren und Kreieren von Wissensinhalten außerhalb der Schule zu ermöglichen.

Der letzte Punkt von Hargadon ist schließlich das Social Networking, was sicher auch seiner Gründerposition von classroom20.com zukommt. Auch in diesem Blog wurde die Bedeutung von Social Networks bereits mehrfach betrachtet.

Um die von Hargadon gemachten Punkte in seinem Vortrag zusammenzuführen, kommt er – und da ist im zuzustimmen – zu dem Schluss, dass

Learning is changing.

Education will need to change.

Er bringt den Vergleich mit der Musikindustrie, die anfangs Musik für teures Geld verkauft hat und nun in der Position ist, zunehmend die Verbreitung von Musik zu behindern/unterbinden (durch Gesetze und Kopierschutz usw.). Schule muss in diesem Vergleich bleibend aufpassen, nicht zum Lernhemmnis zu werden, sondern weiterhin ein Bestandteil des Lernens zu bleiben. Dazu muss sie sich ohne Zweifel öffnen und an den durch neue Medien einsetzenden Veränderungen teilhaben.

Hargadon formuliert 7 Punkte für den einzelnen Lehrer, wie dies gelingen kann:

  1. Learn about Web 2,0
  2. Lurk
  3. Participate
  4. Digest the thought: The answer of information overload is to produce more information.
  5. Teach content production
  6. Make education a public discussion
  7. Help build the new playground

Ich denke, der Vortrag von Hargadon ist in dieser Richtung sehr anregend. Sicher wird die Schule noch über lange Zeit der Ort bleiben, an dem Inhalte primär und womöglich alleinig gelehrt werden. Doch es wird zunehmend dazu kommen, dass Schule das Lernen nur noch anstößt, während die Fortsetzung dessen auch außerhalb der Schule stattfindet. Dies kann darin bestehen, dass in der Schule der Zweite Weltkrieg behandelt wird, die Schüler außerhalb der schule aber weitere Informationen dazu erhalten. Dies mag nichts grundlegend Neues sein – wer sich für etwas interessiert hat schon immer nach weiteren Wegen der Informationsgewinnung gesucht. Doch das Neue ist, wie einfach man inzwischen an offenbar gute Informationen gelangt. Musste ich als Schüler noch mühsam mit Bus und Bahn aus meinem Wohnort in die Landesbibliothek in der Stadt fahren, können heutige Schüler von zu Hause aus via Wikipedia & Co an diese Informationen gelangen. Doch dies sind nicht mehr – wie beschrieben – Informationen nach der selben Machart wie früher. Und genau darauf müssen die Heranwachsenden vorbereitet werden.

In diesem Sinne mit Hargadon:

They have to learn the tools of a new knowledge society!

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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