Lern- und Lehrplattformen – eine Frage der Sichtweise?

Kommentieren 24. July 2008

Ich habe im Blog schon öfters die Problematik angedacht, die sich ergibt, wenn man über Lern- und Lehrplattformen spricht: Von welcher Sichtweise wird eine solche Software eingesetzt?  Ist es eine Stütze für die Lehre, indem es beispielsweise erlaubt, Materialien einzustellen, Schüler zu verwalten oder Unterrichtseinheiten zu strukturieren? Oder sieht man die Möglichkeiten solcher Plattformen mehr aus der Sicht von Lernenden und macht sie zu Lernplattformen im wahrsten Sinne des Wortes und gibt die “Kontrolle” in die Hand von Lernern?

Oft fällt bei den gängigen Plattformen auf, dass sie eher von der Seite der Lehrenden und von diesen verwaltet betrachtet werden. Umso interessanter fand ich daher das Video über Blackboard an der University of Cincinnati:

Ich möchte dies nicht als Werbung für Blackboard verstanden wissen, sondern diese soll vielmehr stellvertretend für viele andere Lernplattformen stehen. Von daher beziehe ich mich auf den ab 2:04 Minute des Videos genannten Aspekt: Innovation + Student Input.

Dieser Weg, die Lernenden in die Gestaltung und Umsetzung einer institutionsweiten Plattform einzubeziehen, ist sicher kaum zu unterschätzen. Gerade im Zeitalter von Web 2.0 hängt die Akzeptanz eines Mediums nicht unentscheidend davon ab, inwieweit sich diese öffnet, Lernenden eine “virtuelle heimat” zu geben, die sie selber mitgestalten können. In dem Moment, vo Schüler und Studenten realisieren, dass sie es nicht mit einem Schulbuch getarnt als online-Tool zu tun haben, sondern mit einem Medium, das ihnen zar Lerninhalte vermittelt, sie diese aber aktiv ordnen, gestalten oder gar eigenständig erstellen können, ist eine vielfach höhere Akzeptanz zu erwarten.

Zwei Aspekte sind in meinen Augen entscheidend für eine Lernplattform der Zukunft bzw. Versuche, bestehende Modelle in Schulen zu integrieren:

1) User-Generated Content: Virtuelle Lernsysteme müssen “idiotensicher” sein – man darf nichts “kaputt” machen können. Dies erlaubt es, die Kontrolle vermehr in Lernerhand zu geben. Wenn ausgehend von Aufgaben, Anregungen oder Problemstellungen diese diejenigen werden, die Inhalte kreieren und gestalten, über diese diskutieren und reflektieren, werden zwei mediendidaktische Ziele erreicht: die Schüler erlernen den Umgang mit neuen Medien sowohl inhaltlich/selbstreflexiv als auch handwerklich.

2) Life-Long-Learning: Hierin sehe ich die größte Herausforderung, die zum derzeitigen Stand sicher noch visionär ist. Ich bin der Ansicht, dass Lernplattformen, die ja allesamt zu einem wesentlichen Bestandteil verschiedene Kommunikationstools implementieren, nicht mehr nur als rein schulisches Medium verstanden werden sollten. Wer versucht, Lern- und Lebenswelten miteinander zu verbinden, muss sich fragen, ob es hilfreich ist, Lernplattformen nur mit Sicht auf die Schulzeit der Schüler zu etablieren. Ich nutze als Referendar die von meinem Studienseminar bereitgestellte Lernumgebung in Form von Lo-Net2 nur deshalb so spärlich, da ich keine Option erkenne, diese auch nach dem Referendariat weiter zu nutzen (bzw. überhaupt nutzen zu können). Wieso – und nun wieder aus der Sicht eines beispielhaften Schülers der Klasse 10 – soll ich Energie in eine Plattform investieren, die mir in zwei Jahren, nach dem Abitur, wieder entzogen wird? Erst wenn diese Plattformen derart ausgerichtet sind, dass sich auf Aufbauen von Gruppen, Verbindungen und Beziehungen, das Einstellen von Materialien, die Etablierung von Diskussionen auch über die Schulzeit hinaus lohnt, werden Moodle, Blackboard, Fronter & Co erst richtig attraktiv. Vom möglichen Mehrwert, der sich durch die Einbindung ausserunterrichtlicher Inhalte bietet, gar nicht zu sprechen (Austausch von Youtube-Videos, eigene Chaträume, Integration externer Web 2.0-Tools in private Räume innerhalb der Plattform).

In diesem Sinne:

One of the intriguing things we did early on was to partner with the students. And saying, Blackboard is yours. What do you want to do with it? How would you like to use it.

And so we turned over the Blackboard portal to the students. And we said that the students can run it like a student newspaper.

The trick is to treat it not as a piece of software and not as a computing system, but as a redefining tool that allows you to create a very, very complex and rich environment.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Share