Podcast Interviews “Web 2.0 in der Schule”

Kommentieren 17. July 2008

Am vergangenen Montag hatte ich Gelegenheit, mit Juniorprofessor Dr. Christian Spannagel von der PH Ludwigsburg über sein spannendes Projekt “Web 2.0 in der Schule” zu sprechen, welches er in Form eines rein virtuellen Seminars für Studierende angeboten hat. Dieses Interview wurde über Skype geführt und ist nun als Podcast verfügbar:

[audio:http://www.blog.initiatived21.de/d21-Spannagel-Podcast.mp3]

Im Anschluss daran, konnte ich auch mit einer Studierenden sprechen, wie sie diese besondere Seminarform erlebt hat und wie sie – nach dem Seminar – zum Einsatz von Web 2.0-Tools im Unterricht steht:

[audio:http://www.blog.initiatived21.de/d21-ustun-podcast.mp3]

Eine weitere Studierende war so nett, einige Fragen schriftlich zu beantworten:

Bitte stellen Sie sich kurz vor (Name, Alter, Studiengang, Homepage… bitte geben Sie möglichst Dinge an, die es den Lesern/Hörern erleichtert, Sie bzgl. des Themas einzuordnen).

Mein Name ist Jennifer Speer, 22 Jahre alt. Ich studiere an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Grund- und Hauptschullehramt, Schwerpunkt Grundschule, mit den Fächern Musik, Mathematik und evangelische Theologie. Im Rahmen meines Studiums nehme ich an dem virtuellen Seminar „Web 2.0“ teil.

Von Herrn Spannagel haben wir bereits erfahren, wie die Lehrveranstaltung strukturell ausgesehen hat. Erzählen Sie uns bitte, wie Sie auf die Veranstaltung aufmerksam wurden. Und warum Sie diese ausgewählt haben.

Wir studieren nicht nur unsere Fächer, sondern auch Erziehungswissenschaften, Pädagogische Psychologie, Grundlagenwahlfach und in unserem Fächerverbund – bei mir ist dieser Fächerverbund naturwissenschaftlich. Unter diesen Seminaren wird „Web 2.0“ angeboten d.h. ich kann aus verschiedenen Veranstaltungen wählen und habe mir genau dieses Seminar ausgesucht, weil ich mich zum einen überhaupt nicht auskannte mit Web 2.0-Abwendungen und zum anderen ist mir wichtig, in meinem Studium möglichst viel mitzunehmen, was ich in der Zukunft als Lehrerin brauchen kann. Mir schien dieses Seminar eine gute Möglichkeit zu sein.

Wie waren Ihre ersten Begegnungen mit dem Seminar, welches ja rein virtuell stattfand. Wie haben sie sich eingefunden in das Seminar? Was hat ihnen dabei geholfen?

Meine ersten Begegnungen waren sehr unterschiedlich. Zuerst war ich super motiviert, setzte mich an einem Sonntag an den Laptop bei meinem Bruder – ich ahnte schon, dass er mir helfen muss – sah mir die erste Videobotschaft an und begann, diesen Auftrag zu erfüllen. Ich stieß auf zahlreiche Schwierigkeiten, sodass mein Bruder mehrmals helfen musste und benötigte vier Stunden für einen kleinen Auftrag. Der Auftrag hat mir zwar Spaß gemacht, doch dachte ich, dass ich dieses Seminar niemals durchführen könnte – rein zeitlich. Herr Spannagel sah dies jedoch nicht als Problem und bot uns immer wieder seine Hilfe an, auch bei ihm persönlich vorbei zu kommen. Somit bin ich dabei geblieben und bin nun froh darüber.

Wie schätzten Sie selber Ihre Computer- aber auch Web 2.0-Kenntnisse vor dem Seminar ein?

Ich hatte quasi keine Vorkenntnisse. Zumal ich erst seit diesem Semester DSL habe und mit einem Modem machen Web 2.0 – Anwendungen wirklich keinen Sinn! Da ist das email-Abrufen schon der größte Aufwand…

Haben Sie den Eindruck, dass sich diese Einschätzung im Laufe oder nach dem Seminar gewandelt hat? Inwiefern?

Ja, sehr… Ich habe verschiedene Web 2.0 Anwendungen kennen gelernt, getestet. Vor dem Seminar kannte ich diese Anwendungen noch nicht. Anfangs viel es mir z.B. noch schwer, einen Account einzurichten. Im Laufe des Semesters richtete ich so viele ein, dass es nun Routine wurde. Genauso wie Artikel in meinem Weblog zu verfassen…

Beschreiben Sie bitte Ihre Mitarbeit/Einbindung im Seminar (Konnten Sie das Programm mitbestimmen?, Wie oft haben Sie die Seminarhomepage besucht? Konnten Sie Fragen stellen oder mitdiskutieren? usw.)

Das Programm wurde von uns nicht mitbestimmt. Seminarhomepage moodle habe ich mindestens 4 Mal pro Woche besucht. Am Ende des Semesters wurde dies weniger, weil Herr Spannagel dann hauptsächlich über seinen Weblog die Aufträge gab. Fragen stellen konnte man jederzeit und diese wurden von den anderen Studenten und Herrn Spannagel umgehend beantwortet. Die Arbeit mit dem Forum der moodle-Platform wurde von uns sehr ausführlich genutzt und war sehr hilfreich. Auch dafür gab uns Herr Spannagel eine ausführliche Anleitung.

Wie schätzen Sie den Arbeitsaufwand für ein solches Seminar im Gegensatz zu einem normalen Präsenzseminar ein?

Mal mehr und mal weniger. Es war nie so aufwändig wie z.B. die Matheveranstaltungen, aber auch höher als der Aufwand für ein Psychologieseminar.

Wie schätzen Sie den Anteil Ihrer Mitarbeit/Aktivität im Gegensatz zu einem Präsenzseminar ein?

Man war dauernd aktiv, über die ganze Woche. Das ist bei anderen Seminaren nicht unbedingt immer so. Positiv war, dass man sich die Zeit einteilen konnte, also auch mal sonntags. Das war schon gut. Was aktiv machte, war, dass man alles über Ausprobieren lernte, nichts frontal war. Da bleibt bestimmt mehr im Gedächtnis.

Wie schätzen Sie den Ertrag/Nutzen dieses virtuellen Seminars im Gegensatz zu einem vergleichbaren Präsenzseminar ein?

Man konnte alles gleich testen. Ansonsten wäre der Ertrag bestimmt genauso gewesen, wenn wir uns jede Woche getroffen hätten. Eventuell wäre sogar mehr Diskussion zustande gekommen über die Erfahrungen. Das Persönliche hat mir schon gefehlt. Ich habe sehr viel gerner Artikel kommentiert, wenn ich die Person kannte. Sonst viel es mir eher schwer.

Wie und was haben Sie gelernt? Haben Sie mehr inhaltlich gelernt oder eher Arbeitstechniken, Kommunikationsstragien, Selbstorganisation und ähnliches, was man eher als soziales oder informelles  Lernen bezeichnen würde?

Schwierig zu sagen… Von allem etwas. Wie schon gesagt, mir ist es wichtig, etwas für meinen Unterricht mitzunehmen, deshalb war mein Blickwinkel eher gerichtet auf die Arbeitstechniken und die Anwendung dieser Techniken in der Schule. Die anderen Komponenten fließen aber mit ein.

Würden Sie zukünftig wieder solch ein Seminar wählen? Auch wenn das selbe Seminar (gleiches Thema, gleicher Prof) parallel auch als Präsenzveranstaltung angeboten würde – und warum?

Ich würde die Präsenzveranstaltung wählen. Das liegt aber auch daran, dass ich gerne an die PH komme und eigentlich nie fehle. Wenn jemand meist nicht anwesend ist bei den Veranstaltungen, der hat hier die Chance, sich gut zu beteiligen. Für mich persönlich also Präsenzseminar, grundsätzlich passt ein virtuelles Seminar zu dieser Veranstaltung jedoch sehr gut.

Das Seminar hat einige Möglichkeiten geboten, sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen. Glauben sie, dass Sie nach dem Seminar auch weiter mit den anderen Teilnehmern in Kontakt bleiben (stärker oder schwächer als bei einem Präsenzseminar)?

Nein, eher nicht. Ich kenne drei Personen persönlich und mit diesen werde ich sicher den Kontakt pflegen, aber mit den anderen sicher nicht. Das ist eben der große Nachteil am virtuellen Seminar. Das wäre anders, wenn man die Menschen im Seminar getroffen hätte.

Was ist Ihnen am seminar am positivsten und am negativsten aufgefallen? Wollen Sie noch etwas zum Seminar sagen, was Ihnen wichtig erscheint? Bitte …

Am positivsten war die arbeit mit dem Forum und die Hilfestellungen durch Herrn Spannagel. Am negativsten war für mich, dass einmal alles auf Englisch war. Damit bin ich überhaupt nicht klar gekommen. Ich habe eine Freundin, die auch am Seminar teilnahm und sie hat mir eine Anleitung auf Deutsch geschrieben. Erst dann konnte ich den Auftrag erfüllen. Vor der aufwändigen Übersetzung habe ich selber schon 2 Wochen immer wieder versucht, doch es ist mir alleine nicht gelungen. Da bin ich jedoch eine Ausnahme…

Nach den Fragen zum Seminar noch ein paar Fragen zum Inhalt, also Computer und Web 2.0 im Unterricht:

Denken Sie, dass die Web 2.0-Dienste und -Angebote geeignet für den Unterricht sind?

Ja, zum Teil schon.

Wo sehen Sie die größten Chancen, die Kinder und Jugendlichen durch den Einsatz von Computer und Web 2.0 im Unterricht bekommen können.

Dass sie den Umgang mit dem PC lernen, ganz selbstverständlich. Das ist für die Zukunft meiner Ansicht nach sehr wichtig.

Zum anderen lernen sie sehr viel über Kommunikation, Diskussion.

Sie können lernen, vernetzt zu denken.

Ihr Wissen kann den anderen helfen, das Wissen der anderen wird ihnen helfen. Das erfahren sie bei den Web 2.0 Anwendungen sehr stark, sie stehen in positiver Abhängigkeit. Es kann zu kooperativem Lernen führen.

Sehen Sie Schwierigkeiten, was den Einsatz von Computer und Web 2.0 im Unterricht betrifft? Welche?

Die Probleme mit der Technik werden immer da sein. Das kann einen Lehrer sehr stark stressen…

Im Moment sind noch nicht alle Schulen mit PC-Räumen ausgestattet und auch die Schüler haben nicht alle DSL. Diese Probleme werden sich vermutlich irgendwann lösen, doch im Moment darf man nicht davon ausgehen, dass es überall möglich wäre.

Fühlen Sie sich gut vorbereitet für den Einsatz solcher Techniken? wieviel hat dazu das Seminar beitragen können? Wo und wie wünschen Sie sich evtl. mehr Unterstützung diesbezüglich? Haben Sie begründete Erwartungen, dass deratiges noch gelehrt wird – z.B. im Referendariat?

Was die kennen gelernten Anwendungen angeht, fühle ich mich gut vorbereitet. Wann und für was genau der Einsatz möglich sein wird, eher weniger – wobei sich jeder selber klar werden muss, was er möchte und was nicht. Da kann das Seminar nicht ausführlicher drauf eingehen. Es gibt weitere Seminare über den Computereinsatz in der Schule, diese kann man besuchen. Ob im Referendariat noch etwas in diese Richtung gelehrt wird, weiß ich nicht. Da ich Grundschule als Schwerpunkt habe, rechne ich nicht damit.

Während unseres Workshops, aus dem heraus unser Blog entstanden ist, haben wir Visionen für die Schule der Zukunft hinsichtlich Web 2.0-Techniken entworfen. Wie würde Ihre Schule der Zukunft aussehen? (ruhig visionär – alles ist machbar auch finanziell)

Laptop-Wagen in den Schulen, auch in den Grundschulen. Das ist schon mal eine Grundbedingung. Ich könnte mir vorstellen, dass Kinder im Rahmen von bestimmten Themen ihr Wissen zusammentragen und erweitern können über diese Techniken, viel miteinander kommunizieren über Web 2.0 und somit z.B. angeleitet durch den Lehrer ihre Gruppenarbeiten vorbereiten und präsentieren.

Abschlussfrage: Wenn der/die Kultusminister/in Ihnen eine schulische Reform erlauben würde, was würden Sie ändern oder einführen?

Längere gemeinsame Schulzeit, mind. 6jährige Grundschule. Die Elementar- und Primararbeit sollte einen wichtigeren Stellenwert bekommen, auch finanzielle Unterstützung. Die Schüler sollten mehr in ihren Begabungen gefördert werden z.B. im musikalischen Bereich.

Ich halte das von Herrn Spannagel gehaltene Seminar – zumindst im Rahmen der Lehrerbildung, in anderen Fachbereichen mag dies bereits üblicher sein – für durchaus innovativ, so dass ich diesem einen Raum in diesem Blog einräumen wollte, wo wir ja immer auf der Suche nach Innovationen sind.

Neben den sehr treffenden Einschätzungen von Herrn Spannagel finde ich besonders auch die Einschätzungen der Studierenden interessant (weitere Studierende haben sich ebenfalls für ein Interview angeboten – dafür an dieser Stelle bereits ganz herzlichen Dank an alle). Es zeigt sich die unterschiedliche Wahrnehmung und auch leichte Differenzen im Umgang mit derartigen Veranstaltungstypen, wodurch mal wieder deutlich wird, dass es eben kein Allheilmittel gibt und der Computer bzw. das Internet dieses noch weniger ist.

Die durchweg positive Beurteilung des Web 2.0 und seiner Möglichkeiten für den Unterricht vermag auf Grund deren kollaborativen Potentials kaum verwundern. Umso erfreulicher ist es, dass die Studierenden in Ludwigsburg bereits im Studium die Möglichkeit erhalten, den sicheren Umgang damit zu erlernen. Ich denke, die Einbeziehung derartiger Techniken und Strukturen ist für die Lehrerbildung unerlässlich. Besonders die Möglichkeiten, im aktiven Umgang damit auch andere Fähigkeiten wie Selbstsicherheit, Medienkompetenz, Kommunikationsstrukturen zu erlernen, die auf andere Bereiche des schulischen Lebens übertragbar sind, sind nicht zu unterschätzen.

Die Videobeiträge von Christian Spannagel sowie weitere Hinweise zur Veranstaltung sind am besten über seinen Blog oder youtube-Channel erreichbar. Das dazugehörige Moodle ist verständlicherweise nicht öffentlich.

Ich würde mich freuen, wenn auch weitere Studierende des Seminars, welche in diesem Post leider nicht Erwähnung fanden, die Kommentarfunktion nutzen, um den Beitrag zu ergänzen/bereichern. Allen direkt und indirekt Beteiligten gilt mein Dank.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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