Erwartungen an e-Learning unter Studierenden

Kommentieren 12. July 2008

Unter dem Titel “Great expectations of ICT: How Higher Education institutions are measuring up” hat das JISC eine Studie veröffentlicht, welche untersucht hat, in wie weit die Erwartungen junger Studenten sich mit den technologisch-medialen Gegebenheiten an Colleges decken.

Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Nutzung von Web 2.0 Technologien sowie die Haltung der Studierenden zu deren Einbeziehung in Unterricht.

The research re-visits a cohort of the school and college students who participated in phase one of the research in June 2007 to explore how their current experiences of ICT in their first year of higher education match up with their expectations. A representative sample of first year students from across the UK was also surveyed to identify whether findings emerging from the cohort were reflected across the wider student population. Over 1,000 students were researched using quantitative and qualitative techniques.

In einem Podcast wird die Studie und deren hauptsächlichen Ergebnisse zusammengefasst (veröffentlicht am 23. Juni 2008 unter http://www.jisc.ac.uk/):

[audio:http://www.jisc.ac.uk/media/avfiles/news/interviews/podcast43greatexpectations.mp3]

Es sollte herausgefunden werden, ob es eine Deckung zwischen demjenigen gibt, was junge Lerner an elektronischer Lernunterstützung nutzen und was Institutionen anbieten. Es wurde festgestellt, dass die Erwartungen der Lernenden weitestgehend positiv erfüllt wurden. Allerdings bewegen sich diese Erwartungen auf einem noch recht niedrigen Niveau – was daran zu sehen ist, dass man sich bereits mit der Bereitstellung von Internetzugang “zufrieden” gibt. Konkrete e-Learning-Settings sind dagegen wenig bis gar nicht verbreitet.

Von Lernerseite wird ein pragmatischer Zugang zu neuen Medien festgestellt. Sie sind sehr gut und schnell in der Lage, festzustellen, ob eine bestimmte Technologie geeignet ist, ihren Lernprozess zu unterstützen. Daraus ergibt sich, dass viele Lerner bereits sehr gut in der Lage sind, neue Technologien zu gebrauchen. Eine reine Einführung in derartige Medien ist somit nicht mehr die Hauptaufgabe der Institutionen sondern vielmehr deren Integration in die Lernprozesse – die Lerner also zu unterstützen oder zu ermuntern, die sich aus neuen Medien ergebenen Möglichkeiten intensiver zu nutzen.

Unschlüssig sind sich viele Lerner noch, ob eine Integration von Social Networks in den Unterricht eine gute Idee wäre. Hier zeigt sich die bereits im Blog mehrfach beschriebene Schwelle zwischen Lern- und Lebenswelten vieler Lerner darin, dass Social Networks als Element der Lebenswelten erkannt werden aber weniger als möglicher Bestandteil der Lernwelt.

One of the arguments against the use of social networks in teaching is that

teachers (authority figures) should not impinge on the ‘private’ space and

technology use of students. Use of social networks, for example, can be

appropriate, but does not feel right when led by the teacher. While students

talked about creating their own group on Facebook and inviting their tutor to

join, this would be less successful if the tutor were to create the group and

invite students.

‘We set it up for our group, but in our last group

we added our anatomy tutor so we could ask

him any questions’

Discussion group 3, female, medical student

‘We have actually done group work through

Facebook! We had a presentation to give and

we were put in groups of six and we all had

Facebook. Most of us lived off campus and it

was easy to liaise and share notes through

Facebook.’

Discussion Group 2, female, psychology

student

This is because when the teacher creates the group, this sends a signal that

formal “teaching” is taking place. Students then relate to the experience

differently, judge the outcome differently, and become concerned over

security and also the quality of teaching via social networking sites.

‘I only use it for peers and friends. You wouldn’t

want lecturers and tutors to see Facebook’

Discussion group 1, male, pharmacy student

‘I’d probably get distracted by other stuff on

Facebook and not end up doing anything’

Discussion group 3, female, psychology student

‘I don’t know, it would seem kind of weird getting

lecture notes or speaking to your lectures

through Facebook!’

Discussion group 4, female, law student

http://www.jisc.ac.uk/media/documents/publications/jiscgreatexpectationsfinalreportjune08.pdf

Es zeigt sich, wie sensibel in diesem Bereich die Grenzen verlaufen, was die Wahrnehmung der Lernenden betrifft. Durch die noch starke Trennung der genannten Welten differenzieren auch die Lernenden sehr stark zwischen diesen und konnotieren Lernen in verschiedenen settings aufgrund deren unterschiedlich. Die Gradwanderung zwischen informellen und formellen Lernen am Beispiel der Social Networks wird bereits von kleinsten Signalen bestimmt.

Auf der anderen Seite kann dies natürlich auch genutzt werden, um Autorität, Verlässlichkeit oder Akzeptanz zu schaffen. Es kommt also darauf an, welches Lernumgebung geschaffen werden soll, wenn neue Medien in Unterricht integriert werden sollen. Man sollte sich aber dieser hohen Sensibilität seitens der Lernenden bewusst sein und ihnen genug Raum einräumen, vor allem auf Web 2.0 basierende Lerntechnologien für sich zu “erobern” oder zu entdecken. Ein zu starres Lenken läuft permanent Gefahr, das in den Medien steckende Potential zu ersticken und damit auch in der Lernerwahrnehmung als unbrauchbar oder aufgesetzt erscheinen zu lassen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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