e-Portfolio in der Lehrerbildung

Kommentieren 10. July 2008

E-Portfolios setzen sich immer mehr durch und sind in nahezu jeder virtuellen Lernumgebung integriert. Sie sollen helfen, Lernen zu strukturieren, zu kollaborieren und den eigenen Lernstand/-fortschritt zu reflektieren. Alles Forderungen, die man auch an uns Referendare relativ früh und schnell heranträgt. Und Portfolios gibt es wohl auch – offiziell.

Wie derartige Portfolies mit Hilfe neuer Medien in verschiedenen Ausbildungen integriert werden können, hat das Joint Information Systems Committee (JISC) untersucht. Dabei ging es hauptsächlich darum, wie derartige, neue Medien von den Lernern angenommen bzw. wahrgenommen werden. In der Reihe “The Learner’s Voice” sind dabei mehrere Kurzfilme aus verschiedenen Ausbildungen entstanden, darunter auch ein Bericht über zwei britische Lehramtsstudentinnen:

Wenn ich mich so unter Referendarskollegen/innen umhöre, kennen viele das Phänomen der Papier- und Dokumentenflut. “To have it all in one place” ist da eine wirklich vielversprechende Alternative (eher für e-Learning-Plattformen als das konkrete e-Portfolio).

Auch die Aufforderung, die eigenen Erfahrungen mit den Kolleg/innen zu teilen, ist eine oft gehörte. Und ein Portfolio führen wir ja auch – das Wie, Warum, Wann und Wo scheint aber jede/r im Ausbildungsalltag nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Und von den im Portfolio dokumentierten Erfahrungen der Anderen zu profitieren, ist in der Praxis bei in Papierform geführten Produkten auch eher schwer/umständlich. Dass online geführte Portfolios (evtl. in blogähnlicher Form) hier einen Zugewinn an Kollaboration und Interaktion zwischen den Auszubildenden schaffen kann, scheint auf der Hand zu liegen. Dies soll natürlich nicht – und dies würde wohl auch der grundsätzlichen Idee eines Portfolios widersprechen – in einer allgemeinen Öffentlichkeit geschehen, sondern als Basis für partnerschaftlichen austausch, indem es jeder/m möglich sein sollte, den Zugang zum gesamten Portfolio oder einzelnen Beiträgen gezielt Personen zu gewähren, verweigern oder entziehen.

Im Video wird von den positiven Effekten auch hinsichtlich der Selbstsicherheit der Studentinnen im Umgang mit den neuen Medien berichtet. Dies ist ein bemerkenswertes Nebenprodukt, das zeigt, dass die Vermittlung von Kompetenzen nicht immer einen großen, speziellen Aufwand in Form von Seminaren, Workshops oder ähnlichen bedarf, sondern derartige Medien – wie im Film gezeigt – in bestehende Strukturen integriert und zu deren Zugewinn genutzt werden können. Darüber hinaus scheinen die im Film gezeigten Studierenden sehr gut in der Lage gewesen zu sein, die bereitgestellte Technik zu ihrem eigenen Nutzen zu gebrauchen und zu erlernen – learning by doing (nach kurzer Einweisung – Stichwort: Medienkompetenz).

Wertvolle Hinweise über die Wahrnehmung von e-Learning-Szenarien seitens der Lernenden liefert auch der zur Studie gehörende Bericht. Er spiegelt die Ergebnisse und Beobachtungen, die weitestgehend auf eine positive Reaktion seitens der Lernenden schließen lässt und diverse Forderungen an eine gewinnbringende Etablierung von e-Learning-Settings stellt, die auch für eigene Überlegungen bei der Etablierung neuer Medien im eigenen Unterricht sinnvoll zu bedenken sind. Ein Zitat aus der Conclusion vermag zu verdeutlichen, zu welchem Ergebnis man kommt:

A changing relationship

Thus a process of integration of personal tools and technologies is occurring, which introduces both benefits and risks. This is likely to be reinforced by oncoming generations – Prensky’s ‘digital natives’(5). Yet learners’ preferences are largely unrecognised within their institutions, where the need for skills development in effective e-learning strategies is often underestimated and access on campus to technologies of their choice restricted.

For most learners, the institution still remains the central focus of their learning. There is little to suggest that learners’ use of personal technologies has replaced institutional provision entirely – rather that the greater diversity of options now available to them enables learners to become more efficient in their use of time, more flexible in how and where they study, and more wide ranging in their use of resources.

Nonetheless, personal technologies and social networking are emerging issues in e-learning, requiring greater flexibility and diversity in institutional policies and provision, combined with an increased focus on skills development for learners in the benefits and the pitfalls of their choices.

Rather than acting as guardians and controllers of learning, institutions – as illustrated in Figure 3 – may increasingly become providers of services, offering the infrastructure and opportunities for skills development to support appropriate and effective e-learning based on a wider range of options.

(5) Prensky, M. (2001) Digital Natives, Digital Immigrants, On the Horizon (NCB University Press, Vol. 9 No. 5, October 2001), http://tinyurl.com/ypgvf

Weitere Ergebnisse des JISC-Projekts zur Untersuchung der Lernersicht auf e-Learning gibt es hier:

  • Social Software (PDF)
  • Personal Tools and Technologies (PDF)
  • Learners Perspective on e-learning (PDF)
  • Lernerzentrierte Pädagogik (Terry Mayes, PDF)
  • The learners Voice (Videos und Storyboards) (HTML)
  • Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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