Those Wacky Kids

Kommentieren 09. July 2008

Marc Pesce hat während “The Digital Education Revolution”, Adelaide, Montag 2. Juni 2008, eine interessante Keynote gehalten. Sein Thema war die Lebenswelt der Kinder hinsichtlich deren “Hyperconnectivity” sowie die Lücke, die zwischen dieser und den Lernwelten entsteht. Schließlich geht er noch darauf ein, wie Lehren und Lernen im Klassenraum des beginnenden 21. Jahrhunderts aussehen könnte/sollte:

Pesce erkennt und macht zu Beginn deutlich, dass Schülerinnen und Schüler heutzutage in einer Welt leben, die davon geprägt ist, dass Verbindungen, Verknüpfungen und Beziehungen zwischen Menschen sich grundlegend gewandelt haben. Raum und Zeit spielen kaum noch eine Rolle bzw. werden spielerisch – im wahrsten Sinne des Wortes – überwunden. Heranwachsende leben in einer Welt, die – bestimmt durch moderne Technologien – derart “klein” geworden ist, dass Informationen – seien sie auch noch so trivial – in einem permanenten Fluss befindlich sind.

Doch wenn diese Jugendlichen zur Schule gehen, werden sie für mehrere Stunden von dieser Welt, in der sie leben und die sie sich selber erschaffen/aufbauen, abgeschnitten. In dem Moment, wo sie die Schule betreten werden sie “unplugged” von ihrer normalen Umwelt. Dies beschreibt Pesce recht anschaulich, wenn auch in seiner eigenen, impulsiven Art.

Spannend finde ich allerdings seinen Vorschlag, wie auf diese Phänomene seitens der Lehrer zu reagieren sei, die er als “change agents” bezeichnet. Auf der einen Seite spricht er vom hidden curriculum welches sich dahingehend ändern müsse, dass den Schülern beigebracht werden müsse, sich zu fokussieren. Denn einem Schüler einen Laptop in die Hand zu drücken, wäre – nach Pesce – als gäbe man ihm eine geladene Waffe. Denn ohne den Umgang mit den neuen Medien zu beherrschen, kann ein sinnvoller Umgang damit nicht erfolgen. Es geht also nicht darum, die Schulen mit Laptops und Workstations vollzustellen, sondern der Umgang mit diesen Technologien muss ebenso gelehrt und verinnerlicht werden.

Doch – und dies ist der zweite wesentliche Aspekt, der in der Keynote angesprochen wird – wie soll dies funktionieren mit einem Lehrpersonal, welches seine Staatsexamina vor der Erfindung von youtube, google, wikipedia & Co gemacht hat. Und hier ist der gemachte Vorschlag so simple wie wahrscheinlich effektiv: we have to start sharing. Lehrer sollten sich die neuen Medien derart zu Nutze machen, dass sie Netzwerke aufbauen, in denen sie sich austauschen können. Ähnlich der Jugendlichen, die in einer permanenten Verbindung stehen und sich über ihren Alltag austauschen, können auch Lehrende sich diese Medien brauchbar machen, indem sie sich gegenseitig über ihren Unterricht und ihre Erfolge aber auch Misserfolge austauschen.

Ich halte diese Idee für ausgesprochen spannend. Denn angesichts des Wandels und dessen Tempos wird es zunehmend illusorisch, Referendaren ein Handwerkszeug an die Hand geben zu wollen, welches in wenigen Jahren vollkommen überholt sein wird. Ich denke kaum, dass wir in 8-10 Jahren noch mit Moodle arbeiten. Ich glaube kaum, dass wir in 5 Jahren noch Videos über youtube austauschen. Ich glaube kaum, dass wir in 10 Jahren noch vor Computern sitzen werden, die so aussehen oder funktionieren wie die heutigen. Aber ich glaube – und da stimme ich mit Pesce überein -, dass wir in 10, 15, 20 Jahren immer noch das elementare Bedürfnis haben werden, uns auszutauschen, Netzwerke zu spinnen und Austausch über das, was uns alltäglich beschäftigt, zu pflegen. Und eben dies ist ein Potential, welches in Zeiten, in denen jeder hinter sich die Tür zum Klassenraum schließt und im Lehrerzimmer auf die immer selben Kollegen trifft, viel zu wenig genutzt wird. Derartige Netzwerke, in denen sich Lehrende aus verschiedenen Fächern, Schulen und Kulturkreisen zusammenfinden, können einen auf Erfahrungen und Erprobungen basierenden Austausch schaffen, welcher – im Sinne eines lebenslangen Lernens – sicher effektiver ist, als alle paar Jahre einen mehrtägigen Workshop zu besuchen. Und die Möglichkeiten dies zu realisieren wachsen täglich und werden uns von den Kindern und Jugendlichen allerorts vorgelebt.

Damit soll keineswegs einer fundierten, grundlegenden Ausbildung widersprochen werden. Doch diesmal können wir ziemlich viel von den Jugendlichen lernen, wenn wir deren alltägliche Form des Informationsaustausches etwas mehr in unseren beruflichen Alltag übernehmen und für die Bedürfnisse eines sich technologisch wandelnden Unterrichts nutzen (vgl. auch das Post zu classroom20.com).

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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