Persönliche Lernumgebungen (eLearning Papers 9)

Kommentieren 04. July 2008

e-learning-paper9

Soeben ist die Ausgabe 9 (Juli 2008) des eLearning Papers (pdf) erschienen (Homepage).

Auch in dieser Ausgabe sind wieder interessante Artikel vereint, wobei der Schwerpunkt diesmal erkennbar auf dem Bereich der Learning Management Systems (LMS) liegt. Es geht um die Gestaltung und Ausdifferenzierung von Lernumgebungen im virtuellen Raum. Dabei steht die Entwicklung hin zu Personal Learning Environments (PLE) im Vordergrund:

Die heutigen Lernmanagementsysteme (LMS) können als Inseln empfunden werden – Inseln im weiten Ozean der Lernmöglichkeiten, die das Internet bietet. Es können nicht nur Inhalte bezogen, verbessert und ausgewählt werden; die Lerner können auch Tools übernehmen, die ihnen für ihre Zwecke nützlich erscheinen, ihre eigenen, individuell gestalteten Lernportale einrichten, Inhalte etikettieren oder sich für RSS-Feeds registrieren lassen, deren Inhalte für sie von Bedeutung sind.

Die Ausgabe enthält mehrere Artikel zum Thema. Hier die Aufstellung in Deutsch (die Artikel selber sind in Englisch verfasst). Die oben verlinkte Synopsis liefert aber einen guten inhaltlichen Überblick über die Artikel:

Leitartikel

Persönliche Lernumgebungen

(Ulf-Daniel Ehlers & Roberto Carneiro)

Artikel

Den Lernraum verstehen

(Philip Banyard & Jean Underwood)

Auf dem Weg zu Persönlichen Lernumgebungen: sieben entscheidende Aspekte

(Sandra Schaffert & Wolf Hilzensauer)

Design für den Wandel: Mash-Up Personal Learning Environments

(Fridolin Wild, Felix Mödritscher & Steinn Sigurdarson)

Didaktische Architekturen und Organisationsmodelle: ein Prozess gegenseitiger Anpassung

(Laura Gonella & Eleonora Pantò)

Selbstreguliertes personalisiertes Lernen (SRPL): die Entwicklung des pädagogischen Modells von iClass

(Aharon Aviram, Yael Ronen, Smadar Somekh, Amir Winer & Ariel Sarid)

Gestaltende Schnittstellen für selbstreguliertes Scaffolding in PLE

(Mustafa Ali Türker & Stefan Zingel)

Ich halte diese Ausgabe für sehr gelungen, da sie einen guten Mix zwischen wissenschaftlicher Untersuchung und praxisorientierter Annäherung bietet. Die besonderen Herausforderungen, die sich durch das Web 2.0 auch für Lehren und Lernen ergeben, haben sich bis dato noch unzureichend in den existierenden LMS niedergeschlagen. Wie bereits in anderen Posts hier angedeutet, wird es zunehmend von Entscheidung sein, ob es den LMS gelingt, sowohl die Personalisierung durch den Schüler aufzugreifen, als auch eine losere Struktur zu bieten, die Lernern und Lehrern didaktische Räume schafft, in denen verschiedene Szenarien des Lernens realisiert werden können.

Das Schlüsselwort „Web 2.0“ ermöglicht den Umstieg von Standard-Lernmanagementsystemen (Universal-Methode) zu Personalisierten Lernumgebungen (Individual-Methode) aus gezielt ausgewählten Elementen, Sammlungen von Tools und Diensten, die zu individuellen, eventuell geteilten Wissens-, Erfahrungs- und Kontaktlandschaften zusammengestellt werden, einen Übergang vom Inselparadigma der LMS-Methode zum Verständnis des Internets als Tor, als Portal für Lernchancen.

In dem Moment, wo die starren Strukturen aufgebrochen werden können und sich Lernen nicht mehr nach der technischen Realisierbarkeit zu richten hat, bieten Lernplattformen im virtuellen Raum zwar kein Substitut des Präsenzunterrichts aber eine Gelegenheit, derartige Lernumgebungen flexibel und ad hoc in den Unterricht zu integrieren. Im Moment geben LMS noch zu statisch gewisse Settings vor, denen zu beugen, häufig schwerfällt, wenn man mit seiner Unterrichtskonzeption nicht den Vorstellungen der Entwickler entspricht.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen:

Fridolin Wild, Felix Mödritscher und Steinn Sigurdarson werfen in ihrem Artikel einen kritischen Blick auf die zeitgenössischen Modelle für personalisiertes adaptives Lernen. Die Autoren behaupten, dass eine von ihnen vorgeschlagene alternative kombinierte persönliche Lernumgebung (Mash-up Personal Learning Environment) bessere Anpassungsmechanismen für den Aufbau und die Wartung von Lernumgebungen bieten kann.

Das iClass-Projekt ist als innovatives, an die individuellen Bedürfnisse von Einzelpersonen angepasstes System entworfen worden. Zwei verschiedene Artikel bemühen sich darum, es unseren Lesern zu erläutern: Der erste beschäftigt sich mit dem Entwicklungsprozess der pädagogischen Idee und des Modells während des Projektverlaufs; der zweite analysiert, wie selbstregulierte Lernprozesse mit Hilfe von PLE unterstützt werden können.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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