e-Learning gestalten (Gilly Salmon)

Kommentieren 03. July 2008

Eigentlich wären die beiden folgenden Videos ein Fall für die Kategorie “Youtube-Schmankerl” in diesem Blog. Doch diese ist eher fürs Nachdenkliche oder Amüsante. Das Folgende passt da nur bedingt rein.

Gilly Salmon, Professorin für e-Learning & Learning Technologies an der University of Leicester, spricht über die Notwendigkeit und Herausforderung, e-Learning zu gestalten:

Eigentlich ist ihren Worten kaum noch etwas hinzuzufügen. Vollkommen richtig erkennt sie die Herausforderung, Lernumgebungen im virtuellen Raum zu gestalten. Sich dabei eben nicht von den technischen Machbarkeiten leiten zu lassen, sondern Lernen vom Lerner aus zu denken, ist ein Ansatz, der sich zunehmend durchsetzen muss. Vor allem in meiner Auseinandersetzung mit Moodle & Co stelle ich immer wieder fest, wie groß die Gefahr ist, sich auf die dort vorgegebenen Strukturen einzulassen bzw. sich in diesen festzufahren. Schnell werden solche Plattformen zu reinen Materialbörsen oder womöglich -schlachten (“Endlich kein Kopieren mehr”, hörte ich neulich in einem Gespräch mit einem begeisterten Kollegen). Doch dies kann und darf nicht  der Sinn von e-Learning sein: Nicht nur die Inhalte sondern auch die Stukturen der Lernumgebungen müssen den Bedürfnissen des Lerners angepasst werden – und nicht anders herum.

Der zweite entscheidende Aspekt, den Salmon anspricht, ist für mich die Problematik, die sich aus dem Bruch mit den hergebrachten und traditionellen Lernformen ergibt. Als Lehrender ist man immer versucht, auf Strukturen des Lernens zurückzugreifen, welche einem selber beim Lernen begegnet sind. Man fühlt sich darin sicher, scheint zu wissen, worauf man hinaus will und verliert dabei den Lerner aus dem Blick. Neues wirkt da schnell bedrohlich. Doch wie sie richtig sagt, hat e-Learning andere Charakteristika und Herausforderungen als face-to-face-education.

What really matters is not the mode of learning but the outcome for the learning.

Dieser Satz ist einer von denjenigen in dem Kurzvideo, über den ich wirklich gestolpert bin. Ist das wirklich so? Oder ist dies eine spezielle, englische Denkweise? Ich glaube schon, dass eine zu starke oder gar alleinige Fixierung auf den outcome nicht der zwingend richtige oder zumindest einzige Weg ist, sich “gutem Unterricht” anzunähern.

Womit sie im anschließenden Satz aber wieder Recht hat – in meinen Augen -, ist die Feststellung, dass an Universitäten oft zu viel “gearbeitet” anstatt “gelernt” wird. Die Jagd nach Scheinen, das Abspulen von Pflichtseminaren und das Pauken vor den Klausuren sind wenig dienlich für den Lernprozess. Ich habe es als sehr befreiend empfunden, mich diesem Zwang nicht unterworfen zu haben, und habe teilweise schlucken müssen, als mir meine Studenten in den Tutorien von ihren Erlebnissen im Bachelor-/Master-System (welches Salmon wohl in der englischen Version vorschwebt) berichtet haben. Ich fürchte, da wird noch eine Diskussion auf uns zukommen, wenn der oder die ersten Durchgänge durchlaufen sind und die Absolventen auf den Arbeitsmarkt drängen.

In diesem Sinne und ganz mit Salmon: Es ist unsere Aufgabe, die virtuellen Lernumgebungen den Bedürfnissen der Lerner anzupassen, sie anzunähern an die ihnen vertrauten Lernszenarien und ihnen somit Vertrauen und Akzeptanz in die neuen Techniken zu ermöglichen. Wenn sie darüber hinaus noch “enjoy being online and working with others”, dann denke ich, haben wir es verstanden die Technik richtig zu nutzen, ohne uns mit den durch die diese vorgegebenen Möglichkeiten zufrieden zu geben/zu beschränken.

Nun noch viel Spaß mit dem Video über Second Life, in dem einige der angesprochenen Aspekte auftauchen bzw. am Beispiel der Alten Geschichte veranschaulicht werden:

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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