w@nt or don’t? Neue Medien und eLearning – Einstellungen der Studierenden

Kommentieren 28. June 2008

Eine interessante und umfangreiche Dissertation mit dem Titel “w@nt or don’t? Neue Medien und eLearning – Einstellungen der Studierenden Ergebnisse einer empirischen Untersuchung” hat im Juli 2007 Izabela Kwiatkowska an der Universität Bielefeld vorgelegt. Diese greift gewissermaßen das Thema eines vorherigen Posts dieses Blogs auf: Gibt es eine Net Generation?

Darin untersucht sie, mit welcher Einstellung Studenten Neuen Medien und e-Learning gegenüberstehen und ob sie sich deren Einsatz vorstellen können oder agr begrüßen würden. Die Ergebnisse, die sie sammelt, waren für mich einerseits zu erwarten, andererseits aber auch etwas erschreckend. Dass die Ausstattung heutzutage bei den meisten so weit vorhanden ist, dass von einer Vollversorgung gesprochen werden könnte, ist sicher jedem, der jüngst an einer Universität war, bekannt. Und dass der Umgang mit Neuen Medien und Internet-Technologien von den meisten recht sicher beherrscht wird (oder dass dies zumindest die meisten von sich annehemen), dürfte auch nichts Neues sein.

Anders sieht es aber beim Punkt e-Learning aus. Hier begegnen einem doch noch offenbar recht “konservative” Ansichten. Viele scheinen den Nutzen für sich selber in e-Learning-Technologien noch nicht erkannt zu haben. Dies ist sicher darauf zurückzuführen – was in der Dissertation auch anklingt – das e-Learning noch zu oft als Nachbildung traditioneller Lehrveranstaltungen genutzt wird. Plattformen und Kurse werden häufig online so aufgebaut, wie man sie auch im Hörsaal durchführen würde, ohne die sich aus den Neuen Medien ergebenen Vorteile voll auszuschöpfen.

Hier sehe ich auch die wesentliche Verknüpfung zur Schule. Denn die Befragten sind ja Angehörige der Generation, welche als nächstes auf die Lehrerpositionen drängen werden. Das also offenbar vorhandene, skeptische Bild von e-Learning lässt wenig Hoffnung auf einen stärkeren Einsatz an den Schulen aufkommen. In wieweit das Referendariat in der Lage ist, derartike Skepsis und Zurückhaltung aufzubrechen, bleibt abzuwarten, denn die Mehrheit der Befragten erkennt zumindest, dass wohl kaum ein We an einem zukünftig verstärkten Einsatz Neuer Medien in der Lehre vorbeiführen wird.

Abschließend hier noch die 5 Hauptfazits, die die Autorin aus ihrer Untersuchung zieht:

Fazit 1:

Bei der untersuchten Gruppe konnte eine durchaus positive Einstellung und ein reges Interesse in Bezug auf die neue Bildungstechnologie ermittelt werden, die einen nachhaltigen und akzeptierten Einsatz von Neuen Medien und eLearning im Studium gewährleisten könnte. Diese Haltung wird weder vom Geschlecht der Befragten noch von der Fachbereichszugehörigkeit oder der Studienphase beeinflusst.

Fazit 2

Es stellte sich heraus, dass die meisten Studierenden auf die Einführung von eLearning durchaus vorbereitet sind. Sie verfügen über ausreichende technische Ausstattung und können mit den meisten Medien gut umgehen (eine Ausnahme bildet hier das Medium Chat). Sie stehen den Neuen Medien sehr pragmatisch und preisbewusst gegenüber. Obwohl die Studierenden den Neuen Medien sehr positiv gegenüber stehen, befürchten sie eine negative Beeinflussung und Verschlechterung der sozialen Kontakte.

Fazit 3

Die Studierenden sehen eindeutig die Nützlichkeit von eLearning und Neuen Medien, stehen ihnen allerdings kritisch gegenüber. Die neuen Bildungstechnologien werden dort eindeutig begrüßt, wo die Befragten sie als eine ergänzende Nutzform für die traditionellen Veranstaltungen sehen, sie werden allerdings dann abgelehnt, wenn sie den Anschein erwecken, als Ersatz für die Präsenzveranstalungen und -seminare eingesetzt zu werden. In der Ersatzfunktion sollen sie sich positiv auf die Qualität der Hochschullehre auswirken und dementsprechend früh (d.h. schon im Grundstudium) eingeführt werden.

Fazit 4

Es hat sich wiederum bestätigt, dass die Studierenden die eLearning-Angebote eher als Ergänzung und nicht als Ersatz für die traditionellen Veranstaltungen sehen. Sie sind der Meinung, dass Multimedia und eLearning zum festen Bestandteil der Hochschullehre und zu einem wichtigen Wettbewerbfaktor der Hochschule geworden sind und durchaus kein vorübergehender Modetrend sind. Sie halten Investitionen in diesem Bereich für sehr wichtig und würden es begrüßen, wenn dort noch mehr investiert würde. Sie sind allerdings überhaupt nicht bereit, für online-Lehre zu bezahlen, ziehen aber in Erwägung, in Zukunft für virtuelle Weiterbildungsmaßnahmen finanziell aufkommen zu wollen. Obwohl die Studie-renden die vollständig virtuelle Hochschule ablehnen, finden sie die online-Verwaltungsdienste als sehr nützlich und hilfreich.

Fazit 5

Die Analyse der Einstellungen der Studierenden ergab, dass sie eindeutig eine ziemlich kritische Einstellung in Bezug auf eLearning und Neue Medien entwickelt haben und sich nicht von den verschiedenen Klischees, die damit verbunden sind, beeinflussen lassen. Die Akzeptanz von eLearning-Anwendungen scheint höher zu sein, wenn die Studierenden einen persönlichen Nutzen oder einen direkten Vorteil für sich darin sehen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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