E-Assessment in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

Kommentieren 20. June 2008

Während der Diskussionsrunde auf unserem Workshop ging es immer wieder, wenn nicht gar hauptsächlich, um das Thema bzw. die Frage, wie die innovativen Ansätze aber auch die grundsätzliche Idee des Web 2.0 in den Unterricht transportiert werden können. Und speziell kamen dabei Probleme innerhalb der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung zur Sprache, die ja gewissermaßen als Dreh- und Angelpunkt erkannt wurde, wenn ich mich an die Ausführungen von Herrn Sauerland (Direktor des Amts für Lehrerbildung in Hessen) erinnere, welcher doch große Stücke auf die derzeitige Generation von Referendaren und Junglehrern setzt, wenn es darum geht, neue Medien in den Schulen zu etablieren.

Aus diesem Grund finde ich den Artikel von Mandy Schiefner mit dem Titel “E-Assessment in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung” sehr passend. Die Autorin beschreibt eingangs selber sehr gut, worum es in dem Artikel geht:

“Der folgende Beitrag stellt verschiedene Formen von E-Assessment vor. Dabei wird vor allem der Schwerpunkt auf die Verfahren gelegt, die in die Lehrerinnen- und Lehrerbildung integriert werden können und den spezifischen Bedürfnissen der Lehrerbildung gerecht werden.”

Nach einem kurzem Blick auf den status quo der Integration von E-Assessment an deutschen Hochschulen, wendet sie sich konkreter der Lehrer(aus)bildung zu. Sehr richtig erkennt sie die Notwendigkeit, derartige Lehrmethoden, die auf den neuen Medien aufbauen, bereits in die Ausbildung zu etablieren, um die Akzeptanz aber auch die Sicherheit im Umgang damit zu bestärken:

“Haben Studierende positive Erfahrung mit einer Lehr-Lernform oder aber auch einer Prüfungsform gemacht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese in ihr eigenes Handlungsrepertoire übernehmen.”

Schiefner nennt und erläutert kurz verschiedene Formen offener E-Assessmentformen: Diskussionsforen, Weblogs, Wikis und E-Portfolios. Alles Formen, die auch während unseres Workshops besprochen wurden und sich bereits jetzt – ohne große Visionen – im Unterricht einsetzen lassen. Besonders hebt Schiefner die Möglichkeiten damit aktives Lernen aber auch gruppendynamisches Lernen zu fördern.

Sie nennt mehrere Bereiche,

– Standardisierung & Beurteilungsobjektivität

– Motivation & Selbstkontrolle

“Im Rahmen des Selbststudiums können E-Assessmentformen auch der Selbstkontrolle der

Studierenden dienen. Hier ist die elektronische Form vor allem sinnvoll, da bei der

Selbstkontrolle Täuschungsversuche wenig Sinn machen (Heidbrink, 1998). EAssessmentformen,

die auch spielerische Elemente integrieren wie z.B. Kreuzworträtsel,

Quizzes ähnlich wie Quizzshows u.ä. haben den Vorteil, dass sie auch zur Erhöhung der

Motivation im Studienverlauf eingesetzt werden können.”

– Integration von Multimedia-Elementen

– Situierte Lernumgebungen, Reduktion von Komplexität

“Unterrichten stellt eine komplexe Handlungswirklichkeit dar, die im Rahmen der Ausbildung

erst gelernt werden muss. Die [Video-]Aufzeichnungen stellen in so fern einen vereinfachten

Ausschnitt aus der Komplexität der Situation dar, als dass sie sich auf ein mögliches

Unterrichtsproblem beziehen und so die Komplexität des Unterrichts gerade für Novizen

reduzieren können. […] So können Novizen nach und nach an die Komplexität des Unterrichtsgeschehens herangeführt werden.”

– Distanz & Reflexion

“Vor allem beim Einsatz von videobasiertem

Assessmentmaterial (siehe Kapitel 3.4) entsteht eine Distanz zum Unterrichtsgeschehen.

Durch die Betrachtung der Klasse durch das Medium Video erleben die Studierende eine

gewisse Form der Distanz, aus der sie ihre Entscheidungen (neu) überdenken und reflektieren

können (Krammer & Reusser, 2005).”

in welchen sich die von ihr genannten Modelle als besonders vorteilhaft gegenüber traditionellen Verfahren gezeigt haben.

Der Artikel von Mandy Schiefer zeigt deutlich, dass sie sich mit der aktuellen Situation der Lehrerbildung auseinandergesetzt hat und daher gut strukturiert wesentliche Aspekte, die Möglichkeiten  der Innovation und Verbesserung bieten, ansprechen kann. Mit mehreren prägnanten Formulierungen, die an dieser Stelle nicht alle zitiert werden können, trifft sie sehr genau die Situation vieler Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten aber auch Referendare und Referendarinnen. Selber in der Lehrerbildung befindlich, war es angenehm zu lesen, dass die grundlegenden Ideen zur Etablierung neuer Lernstrategien und deren gewinnbringender Einsatz in der Ausbildung junger Lehrer bereit liegen und quasi nur noch ihrer Umsetzung harren.

Ich halte den Artikel für sehr empfehlenswert, da er gute Ansätze aufzeigt, durch seine Kürze aber auch eine Prägnanz wahrt, die genug Raum für eigene Denk- und /oder Konkretisierungsansätze lässt.

Dieses post wurde erstellt von René Scheppler.

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