Web 2.0 und neue Lernparadigmen

Kommentieren 18. June 2008

In der aktuellen, achten Ausgabe des elearning Papers des elearning Portals der Europäischen Kommission findet sich ein Artikel von Antonio Bartolomé mit dem Titel “Web 2.0 und neue Lernparadigmen” (alternativer link). Er ist Professor für audio-visuelle Kommunikation an der Universität in Barcelona.

In dem Artikel stellt der Autor mehrere Web 2.0 Applikationen kurz vor, um dann auch auf die aktuelle Situation und darauf aufbauende Zukunftsperspektiven einzugehen. Er unterscheidet zwischen “Web 2.0” und “elearning 2.0” und erkennt eine sich zunehmend entwickelnde Ambiguität, wobei sich beide Bereiche gegenseitig beeinflussen.

Elearningpapers.eu fasst die Position des Autors in ihrem Abstract wie folgt zusammen:

“Der Autor ist skeptisch, was den aktuellen Wandel in e-Learning-Einrichtungen und -Unternehmen betrifft, weist jedoch auf einige Veränderungen hin, die außerhalb ihres Kurs- und Programmangebots stattfinden werden. In den kommenden Jahren wird „e-Learning 2.0“ als kommerzieller Werbebegriff für Kurse verwendet werden, die Web 2.0-Ressourcen einsetzen, ohne jedoch die Wissensautorität und den Zugang zur Unternehmenskontrolle zu berühren. Allerdings wird sich gleichzeitig, vor allem im nicht-formalen Bildungssektor, eine Einstellung zum Fernlernen herausbilden, die die Trennung zwischen Lernen und Leben aufhebt.”

Ich denke, diese Aufhebung von Lern- und Lebenswelten ist auch während der Präsentationen unserer Workshop-Gruppen deutlich geworden. Zwar haben wir weniger zwischen Web 2.0 und elearning 2.0 unterschieden, sondern vielmehr versucht, die sich aus beiden Bereichen ergebenen Lernchancen zu vereinen, aber auch unseren Visionen lag erkennbar zugrunde, dass das Web 2.0 zunehmend weniger ein Werkzeug als vielmehr ein Bestandteil des sich verändernden Lernens und Lebens junger Menschen werden wird.

Der Autor selber formuliert in seinem Aufsatz wie folgt:

“The old educational paradigms are mainly based on the concept of an author, but this is a concept related to the age of literacy, which was not even valid in the age of only spoken communication. This concept of a specific author of knowledge is under discussion in the cyber age.”

“eLearning courses seem to be based on the concept of studying “any place, any time”. But in reality, this is not the case. Traditional distance courses do consider studying at any time, but these moments are considered to be “study moments”. That is, there is a time to study and a time for other activities. In Web 2.0, the difference between study times and other times seems to disappear. Perhaps this is a question of formal vs. non-formal education. In any case, in the next years we will hear more about this idea.”

“During the coming years, eLearning 2.0 will be used as commercial promotion concept while courses will include Web 2.0 resources without touching the knowledge authority and the business control access.

However, at the same time a distance-learning attitude will be developing, mainly in non-formal education, which will end the separation between learning and living (Daniel, 2006b).

But for now, we have only some few ideas that suggest more a future than a current new paradigm for eLearning.”

Wie schwer es auch uns während des Workshops gefallen ist, neue Paradigmen zu erkennen oder aufzuzeigen, lässt sich sehr gut daran erkennen, dass die Ergebnisse unserer Gruppenarbeiten sehr viele Schnittstellen zu-/untereinander aufweisen. Ich denke aber, dass es sich eher um einen schleichenden Wandel handeln wird als um einen revolutionären Schnitt zwischen “learning 1.0” und “elearning 2.0”, wobei beide Formen sicher auch sehr lange parallel zueinander existieren können.

In der selben Ausgabe des elearning Papers befindet sich auch ein Artikel von Juan Freire mit dem Titel “Universities and Web 2.0: Institutional challenges“.

Dieses post wurde erstellt von René Scheppler.

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